Wie wär’s mit etwas Mitgefühl? Ich stelle mir vor, ein Haufen stinkender Gangster hätte meine Tochter entführt, nebst 270 weiteren Mädchen. Was ginge in meinem Kopf vor? Als erstes würde ich denken: Hoffentlich lebt sie noch. Als zweites würde ich denken: Wehe, einer dieser stinkenden Schweinehunde rührt sie an. Als drittes würde ich denken: Wen von den 270 anderen Vätern kenne ich? Und wie viele Brüder und Söhne gäbe es in diesen Familien? 500? 1000? Eine Menge! Etwa so viele, wie es von diesen Gangstern geben soll, die sich Boko Haram nennen, was frei übersetzt bedeutet: Ich bin bescheuert und find’s auch noch geil.

Als viertes würde ich wütend darüber werden, dass Boko und seine Freunde so teure Waffen haben und immer genug Sprit, um mit ihren japanischen Geländewagen dann und wann ein Dorf zu überfallen und Tod und Verderben zu hinterlassen. Es sind ja meistens bäuerliche Gegenden, wo diese Gangster zuschlagen, Dörfer in der Größe von Alxing, Aying oder Tuntenhausen. In denen Bauern wohnen, die brav ihre Steuern zahlen, von denen sich die Regierung eine fette Scheibe schneidet, um einen staatlichen Sicherheitsapparat zu unterhalten, der seit einem Dutzend Jahren Boko und seine Harams nicht nur nicht besiegen kann, sondern größer und größer werden lässt. Die zulässt, dass korrupte Bullen Kalaschnikows vom Laster fallen lassen und dass Gangster-Scheichs aus Saudi Arabien und Kathar Geldkoffer bei Boko und Haram abgeben können. Die mit Steuermitteln helfen, eine unausrottbare Landplage zu züchten, weil sie eine andere Legitimation für ihr überflüssiges Dasein sonst nicht finden.

Als fünftes müsste jeder Boko höllisch aufpassen, wenn er in die Nähe einer Gruppe Rebel Dads geriete. Etwa, wenn er zum Friseur geht, um seinen Filzbart zu toupieren. Die könnten ihm die Waffe abnehmen und ihn fragen, ob er zufällig wisse, wo ihre Töchter gerade seien. Wenn er’s weiß, wär’s nett. Wenn nicht, wäre ich entschieden gegen Folter. Eher für einen Kopfschuss.

Als sechstes wäre es zu begrüßen, wenn die Amis und der restliche Westen nicht fremde Soldaten schicken würden, um im Auftrag fremder Politiker Politik in Nigeria zu betreiben, sondern einfach nur ein paar Container mit Waffen und Munition, robuste Fahrzeuge, Kommunikationstechnik, Bargeld und ein paar Seminarleiter, die den Rebel Dads den ganzen Technikkram erklären. Fein wären auch ein paar Satellitenbilder mit GPS-Koordinaten, die zu den Verstecken der Bokos und der gefangenen Mädchen führen.

Und schon wäre Schluss mit dem hilflosen „bring back our girls“. Womöglich noch mit einem „please“ hinten dran. Boko und Haram werden kein einziges Mädchen freiwillig zurückbringen. Sie werden schelmisch grinsen, wenn sie bemerken, dass die westliche Welt sich im Twittern und Hashtaggen geradezu verzehrt. Sie werden vor Wichtigkeit, Dummheit und Geilheit schier zerplatzen. Sie werden irgendwann Bilder veröffentlichen, auf denen ein Boko und ein Haram mit der einen und anderen Tochter als Zwangsgattin zu sehen sein wird. Sie werden nie aufhören – außer, es stoppt sie jemand.

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