Im Mangfallboten , der Tageszeitung im westlichen Landkreis Rosenheim, stand zu Wochenbeginn eine Geschichte über die Schließung einiger Klassen der Luitpold-Grundschule (u.a. auch die Klasse meiner Tochter). Die Reporterin Eva Lagler hatte auch mit Eltern gesprochen, die sich da durchaus kritisch äußerten. Außerdem gab sie das Gespräch mit einer Mutter wieder, die erzählte, die Familie sei in den Ferien in Südtirol gewesen. Sie hätten den Verdacht, sie könnten sich infiziert haben. Sie hätten darum Kontakt mit Behörden aufgenommen. Die hätten ihnen zum Testen geraten. Das hätten sie getan.

Wie es in allen Medien inzwischen schlechter Brauch ist, wurde der Name der Familie nicht dazugeschrieben. Die Mutter habe das nicht gewollt. Aus irgendeinem Grunde will heutzutage kaum noch jemand mit seinem Namen zu dem stehen, was er/sie öffentlich sagt. Ich weiß nicht, warum das so ist. Es scheint da eine grassierende Furcht zu geben, sich öffentlich angreifbar zu machen. Wie begründet die ist vermag ich auch nicht zu sagen. Aber sie ist schädlich.

In diesem Fall dürfte es wohl auch diese Halb-Anonymität gewesen sein, die dafür sorgte, dass sich die Geschichte im mündlichen Stadtgespräch verselbständigte. Aus der Familie, die sich selber unter Quarantäne setzte, wurde beim Ratschen beim Metzger die Familie, die wahrscheinlich infiziert sei. Der Grusel ging um, dass Corona jetzt in Bad Aibling angekommen sei. In einer internen WhatsApp-Gruppe teilte die Mutter dann aber mit, dass der Test negativ ausging. Nix Corona in Bad Aibling.

Jetzt frage ich mich, wer den Klatsch rund um den Marktplatz wieder einfangen mag. Denn genau diese Sorte der Informationsverbreitung – analog, von Mund zu Ohr, die berühmte stille Post – schafft das Klima der Angst, vor dem man sich mehr fürchten sollte als vor dem vergleichsweise harmlosen Virus.

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