Fehlalarm?

Über das blinde Agieren des States, das Fehlen von Opposition und kritischen Medien und einen mutigen Beamten des Innenministeriums

Ich halte Impfungen für richtig und sinnvoll. Ich lehne Homöopathie kategorisch ab, weil sie nichts anderes ist als pseudomedizinische Quacksalberei. Ich glaube keine Sekunde daran, dass finstere Mächte geheime Hormone in Impfampullen schmuggeln, um die Bevölkerung zu reduzieren oder zu manipulieren. Ich bin davon überzeugt, dass Kondensstreifen nur gefrorener Wasserdampf in der Luft sind. Ich halte Bill Gates für einen außergewöhnlich fähigen Unternehmer, der sich jetzt altruistische Ziele setzt, die unbedingt zu begrüßen sind. Ich halte Ken Jebsen für einen antisemitischen Vollidioten und stehe dazu, zu seinem Rauswurf beim öffentlich-rechtlichen RBB beigetragen zu haben.

All das heißt freilich nicht, dass ich alles toll finde, was die Bundeskanzlerin oder die Groko so tun. Im Fall von Corona habe ich mich von Anfang an gefragt, ob nicht Panikmache im Spiel gewesen sein könnte. Noch mehr irritiert mich, dass es in der Corona-Debatte keine satisfaktionsfähige Opposition gibt oder dass die Gesamtheit der Leitmedien, angeführt von den öffentlich-rechtlichen Anstalten, bedingungslos Regierungslinie vertritt – bis hin zu ARD-Chefredakteur Rainald Becker, der Madonna als wissenschaftliche Kronzeugin für Merkels Lockdown-Politik beschwört. Also die Sängerin, nicht die religiöse Figur.

Daraus ergibt sich eine unrunde Diskurslage. Kritisches bewegt sich außerhalb der großkoalitioären und gebührenmedialen Binnenpluralität. Das vereinfacht der Regierung das Diskutieren erheblich. Sie kann nämlich drauf verzichten. Sie kann jeden Kritiker als dumm, rechts, links, blöd oder verschwörungstheoretisch marginalisieren. Oder für einsam und damit irgendwie verwirrt erklären, wie es das von Horst Seehofer geführte Innenministerium gerade mit einem Referatsleiter macht, der im Grunde nur pflichtgemäß arbeitete.