Anja Reschke vom NDR mag kürzlich „Journalistin des Jahres“ geworden sein, aber was sie jetzt so alles publiziert ist befremdlich und verstörend. Man betrachte den Screenshot der Panorama-Webseite: Links findet man eine Anja Reschke, die angesichts des Brexit-Referendums Volksentscheide generell hinterfragt, weil das Volk so komplexe und zukunftsweisende Vorgänge nicht beurteilen könne. Rechts findet sich ein von ihr an- und abmoderierter Panorama-Beitrag über die neue EU-Verfassung. Zuerst wird darin gelästert, dass andere Völker darüber selber abstimmen dürfen, nicht aber das deutsche, wo nur das Parlament entscheide. Dann führen die Panorama-Filmer reihenweise Bundestagsabgeordnete vor, die zwar allesamt für ja gestimmt haben dürften, aber nicht den Schimmer einer Ahnung hatten, was sie da beschlossen haben. Handelt es sich bei der Anmoderatorin dieses Beitrags um dieselbe Anja Reschke, die in dem anderen Film dem Volk nicht traut?

 

Der erste Film ist persönlich gehalten und so inszeniert, als habe der Kameramann die fast ungeschminkte Anja Reschke eher zufällig vor dem Fahrstuhl beim Sinnieren eingefangen. Es beschäftige sie vor allem die Frage,

„…ob ne Volksabstimmung bei so nem entscheidenden Thema der richtige Weg ist“.

„Ist so eine Volksabstimmung eigentlich richtig? Ist das gerecht?

Und dann fragt sie das Volk:

„Mal ganz ehrlich: Wenn Sie so eine Sache wie TTIP entscheiden müssen, könnten Sie das? Ich meine, da muss man Tausende von Dokumenten gelesen haben. Man muss Ahnung haben von Handelsbeziehungen, von Wirtschaftsbeziehungen. Traut man sich das als Einzelner wirklich zu?“

Schalten wir an dieser Stelle zu der anderen Anja Reschke und kommen zur EU-Verfassung.

 

Unüberhörbar sarkastisch bedauert sie zum Einstieg zwei unserer Nachbarvölker.

„Wie gut, dass wir keine Franzosen oder Niederländer sind. Sonst müssten wir uns jetzt in 500 Seiten, 448 Artikel und 36 Zusatzprotokolle einarbeiten. Aber hier in Deutschland stimmt nicht das Volk, sondern das Parlament über die neue EU-Verfassung ab. Praktisch, sparen wir uns auch gleich teure Aufklärungskampagnen. Unsere Aufgabe als Bürger ist simpel: Wir sollen Europa einfach gut finden und uns sonst möglichst nicht einmischen. Da uns ja der Blick auf das Große und Ganze fehlt, wie Politiker immer wieder beteuern, sollen wir uns nur auf unsere gewählten Volksvertreter verlassen.“

Und dann folgt eine hochnotpeinliche Fragerunde an stimmberechtigte Abgeordnete aller Fraktionen zu  Fragen, die in eben dieser EU-Verfassung geregelt sind. In welchen Feldern hat die EU die alleinige Zuständigkeit? Gibt es die Möglichkeit einer Volksabstimmung auf der europäischen Ebene? Mit welchen Stimmgewichten kann der EU-Ministerrat ein Gesetz beschließen? Oder auch: Wie viele Sterne prangen auf der EU-Fahne?

Nicht einer konnte auch nur eine einzige Frage beantworten. Guter Beitrag, den sie bei Panorama da gemacht haben. Und Anja Reschke moderierte die gesammelte Blamage so ab:

„569 stimmten für die Verfassung, die sie wohl kaum gelesen haben. Das sind satte 95 Prozent. In Vielfalt geeint, so das Motto der EU. Heute muss es eher heißen: In Unwissenheit geeint.“

Zurück zur anderen Anja Reschke aus Film 1. Da zieht die Moderatorin einen etwas schiefen Vergleich zum Schul-Referendum in Hamburg und fragt suggestiv, mit einem nein als gedachter Antwort:

„Ist es richtig, dass das Volk bei einer so in die Zukunft reichenden Frage abstimmt?“

Ja, Frau Reschke, ist es. Und je wichtiger und zukunftsweisender die Frage desto richtiger ist es. Und was eigentlich wollen Sie uns mit Film 1 und Film 2 unterm Strich eigentlich sagen?

 

 

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