Geben wir’s doch zu: Es ist der pure Neid, der uns auf die US-Präsidentenwahl starren lässt. In Wahrheit finden wir so ziemlich alles an der US-Politik besser als an unserer. Da sind vor allem die beiden Kandidaten – die klassische Zusammenstellung für’s Duell. Mann gegen Mann. Einer wird gewinnen, der andere verlieren. Wie fad dagegen die Wahlkämpfe in good old Germany: Langweilige Parteien mit langweiligen Programmen, deren immer vier bis sechs an der Zahl, die allesamt schön ausgewogen (langweilig!) berücksichtigt werden müssen, egal, ob sie sich wiederholen oder aneinander vorbeireden. Nicht einmal das sogenannte Kanzler-Duell kann es mit seinen Pendants in den USA aufnehmen. Merkel gegen Steinbrück – mei, wo ist da bitte die Spannung?

Wie neidisch wir sind auf die Politik-Präsentation in den USA sehen wir an den Versuchen deutscher Parteien, ihre Parteitage nach amerikanischen Vorbildern zu gestalten. Vor allem die SPD orientiert sich daran. Da werden Fanfaren eingespielt, wenn die Kandidaten den Saal betreten, Beifall und Winke-Winke choreografiert, einstudierte Gesten und Grinser abgeliefert. Nur: Sie können es einfach nicht so gut wie die Vorbilder. Weder die Planer noch die Regisseure, Beleuchter, Musiker, Autoren oder die politischen Bühnenstars. Am Ende wirkt das alles immer etwas lächerlich.

Warum sieht unsere Politik so matt aus, verglichen mit dem Glanz der Amerikaner?

Sicher nicht zuletzt deshalb, weil das Mediensystem ein anderes ist als bei uns. In Deutschland bestimmen graue öffentlich-rechtliche Funktionäre, wie die politische Bühne aussieht. Irgendwo gibt es immer einen Proporz. Sogar die Moderatoren von Kanzler-Duellen werden nach Proporz bestimmt und nicht nach Klasse. Da muss dann je einer von ARD, ZDF, RTL und Sat1 im Studio stehen, und da wird präzise geguckt, dass jeder Sender-Vertreter gleich oft eine Frage stellen kann. Heraus kommt dabei eine Show von und für die Insider, nicht aber fürs Publikum, und das ist dann in der Tat der wichtigste Unterschied zwischen den politischen Kulturen diesseits und jenseits des Atlantik. Hüben interessieren sich die Akteure nur für ihresgleichen und erwarten, dass das Publikum ihre Perspektive teilt. Drüben zählt allein die Sicht von Volk und Wählern, und deren Erwartungen und Formen passen sich die Akteure an.

Wer glaubt, all das sei nur äußerlich, irrt. Es ist nicht nur die Form, die in der US-Politik anders ist als bei uns, es sind auch die Inhalte. Aber das, was für die Form gilt, gilt ebenso auch hier. In Deutschland kommt es vor, dass Politiker ausgerechnet die kontroversesten Themen bewusst aus dem Wahlkampf heraushalten. Stattdessen gibt es dann so nichtssagende Ankündigungen wie die, dass die SPD jetzt keinen Anti-Merkel-Wahlkampf führen will, sondern für ein “besseres Deutschland” streitet. Das ist Politik der öffentlich-rechtlichen Art – elitär und grauenhaft langweilig. In den USA geht es dagegen um Krieg und Frieden, um wirtschaftliche Macht, um Religion, Abtreibung und die Grundfragen des Lebens.

Es ist schon kurios, wenn deutsche Reporter über Mitt Romney berichten, er sei kein besonders guter Redner. Tatsächlich ist er Barack Obama rhetorisch unterlegen, aber er steckt jeden deutschen Politiker in die Tasche. Und er ist gut genug, um sich mit Obama ein Rennen zu liefern, das wir hier in Deutschland auf ähnliche Weise verfolgen wie einen großen Boxkampf oder ein WM-Spiel. Und wir wissen schon jetzt: Die Bundestagswahl im kommenden Jahr wird weit weniger spannend als die US-Wahl.

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