Özcan Mutlu, für die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus | Foto: Böllstiftung via Flickr

Man muss ein bisschen aufpassen, was man über die Causa schreibt, weil der Berliner Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu sich einen der aggressivsten Presseanwälte Deutschlandes leistet, Christian Scherz. Der soll gegen den Focus vorgehen. Mutlu stört sich an einem Bericht über seine Rolle bei der Anbahnung eines großen Immobiliendeals. Der türkische Milliardär Aydin Dogan plane den Kauf von vier Luxushotels der Kempinski-Kette, darunter auch das Berliner Kempinski am Kurfürstendamm. Dafür biete er 380 Millionen Euro. Mutlu und Dogan sollen sich schon lange kennen, weil sie in Nachbardörfern in der Türkei aufwuchsen, schreibt der Tagesspiegel. Dass Mutlu vermittelte, scheint unstreitig. Streitig ist, ob er dafür Geld nahm. Der Focus behauptet es, Mutlu bestreitet es. So in etwa kann man es wohl aufschreiben, ohne belangt zu werden – siehe dazu auch hier und hier.

Folgende Frage wird man wohl auch stellen dürfen, ohne vor Gericht zu landen: Glaubt irgendjemand, Herr Dogan sei ohne Herrn Mutlu nicht in der Lage, bei der Firma Kempinski anzurufen und jemanden zu finden, der sich sein Begehr, den Laden zu kaufen, anhören würde?

Anwalt Scherz wird im Tagesspiegel so zitiert: “Mein Mandant hat nur kurz den Kontakt zwischen den Partnern hergestellt, es war nie die Rede von einer Provision, er hat sich absolut nichts vorzuwerfen.”

Und schließlich äußerte sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Ramona Pop, ebenfalls im Tagesspiegel: “Wir haben mit ihm gesprochen und er hat uns versichert, dass die Vorwürfe so nicht stimmen und er juristisch dagegen vorgeht”.

Mutlu dürfte trotzdem kaum zu halten sein. Unabhängig davon, dass die Vermittlung von Top-Immobilien nicht zu den Aufgaben eines Volksvertreters gehört, egal, ob ehrenamtlich oder bezahlt – die Berliner Grünen dürften nicht begeistert sein. Milliardäre gelten da normalerweise nicht als bevorzugter Umgang. Und jetzt beginnt der Wahlkampf. Renate Künast möchte Regierende Bürgermeisterin werden. Die Konkurrenz wäre entzückt, könnte sie den Kempinski-Deal zur ersten Immobilienaffäre der Grünen in Berlin hochfahren.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.