Heiner Geißler (81) ist offenbar verbittert darüber, dass er nicht CDU-Chef und Kanzler wurde

Heiner Geißler ist einer der Väter des strategischen Linksrutsches der CDU, gelegentlich als Sozialdemokratisierung bezeichnet. Dass er sich jetzt zur illegitimen Planungs- und Machtinstanz bei der Stuttgarter Bahnhofsplanung aufschwingt, verdeckt den größten historischen Fehler Geißlers. 1989 arbeitete er daran, der CDU das Ziel der deutschen Wiedervereinigung auszutreiben. Er war damals Generalsekretär der Partei. Für den Bundesparteitag im September 1989 hatte er geplant, Helmut Kohl hinwegzuputschen und an seiner Stelle die Partei zu führen. Das misslang bekanntlich. Kohl hatte einen überzeugenden Verbündeten, nämlich den ungarischen Außenminister Gyula Horn. Der hatte Kohl am Vormittag am Telefon darüber informiert, dass er gemeinsam mit seinem österreichischen Kollegen am Abend den Grenzzaun zerschneiden werde. Bis zum Abend vereinbarten die beiden Stillschweigen. So konnte Kohl bei den Parteitags-Delegierten mit einer Sensation punkten. Die Geißler-Front fiel darauf in sich zusammen.

Geißlers herrschendes Motiv war offenbar schon immer die Macht um ihrer selbst willen. So jedenfalls liest sich sein Welt-Interview zur heutigen Lage der Union. Den Atomkurs von Angela Merkel lobt er – und begründet das nicht sachlich, sondern damit, die CDU habe einen unversöhnlichen Streitpunkt mit den Grünen beiseite geräumt. Allein die Bündnisperspektive zählt, eine weitere Möglichkeit, eine Mehrheit zusammen zu zimmern, egal, wofür die steht. Geißlers Denkwelt ist offensichtlich die eines politischen Autisten, der glaubt, die reale Welt drumherum habe sich in jedem Fall seinem Willen zu beugen. Das Scheitern seines Putsches gegen Kohl hat er nie verwunden. Er profilierte sich mit Nadelstichen gegen die eigene Partei und trat dem ebenso machtbewussten Attac-Netzwerk bei. Sein Verhalten erinnert an das diverser historischer Despoten, die nach der Devise Sieg oder Untergang zur Zerstörung riefen, wenn die eigene Macht zu bröckeln beginnt.

Diesen verbitterten alten Mann zum Schlichter einer verfahrenen Auseinandersetzung zu machen war schlicht verrückt. Man sollte ihm lieber eine Playmobil-Ritterburg schenken. Wenn er die kaputt macht, hält sich der Schaden wenigstens in Grenzen.

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