Margot Käßmann | Foto: Kirkjan via Flickr

In meinem Kiez in Kreuzberg wohnt eine Frau meines Alters, die sich noch so kleidet, wie sich damals in den nach-68er Jahren alternative Studentinnen kleideten. Ab und zu verirrt sie sich in eines meiner Stammlokale und gibt sich dann gern sehr engagiert. Sie hat die ganze Palette drauf: Macht irgendwas mit sozialen Projekten, die sie immer wortreich und unverständlich erklärt. Hadert immer mit dem Staat, der ja nur Geld für die Banken rauswirft und immer viel zu wenig für ihr jeweiliges Projekt. Findet die Frankfurter Rundschau gut. War schon immer gegen Atomkraft. Ist Feministin. Undsoweiter. Und steht auf Margot Käßmann.

Wohlgemerkt: Nur auf Margot Käßmann, nicht auf die Kirche, jedenfalls nicht insoweit, als es um Herrgott, Jesus oder Heiligen Geist gehen würde. Was die Kreuzberger Sozialprojektfrau an Frau Käßmann mag, hat Spiegel Online gerade großartig portraitiert. Zitiert einen Satz aus einem der 20 Käßmann-Bücher, der so geht: „Wichtig ist, nicht zu vertrocknen, sondern offen zu sein für das Neue und keimen und aufblühen zu lassen, was blühen will und kann.“ Eiapopeia-Lyrik nennt der Spiegel-Autor das, und das ist es ja auch. Ein Satz, der großartig zu meiner Kreuzberger Sozialprojekttante passt. Oder dass sie es besser findet, mit den Taliban zu beten, als sie zu bombardieren. Das stelle ich mir sehr lustig vor. Ob Frau Käßmann dann ihre Bibel in gerechter Sprache dabei hat? Den Taliban erstmal erklärt, dass Gott ihrer Meinung nach eher Göttin ist? Die Taliban werden vermutlich enorm beeindruckt sein.

Mir fällt noch jemand ein, wenn ich an Margot Maria Käßmann denke. Eine Pastorin, deren Weihnachtsgottesdienst ich vor ein paar Jahren besucht habe. In ihrer Predigt ging es auch um Sozialkürzungen, Afghanistan und so weiter, und ich wollte die ganze Zeit dazwischenrufen, was ich nur deshalb gelassen habe, weil meine Mutter neben mir saß. Mit Lebenssinn, um das mindeste zu sagen, hat diese evangelische Kirche nicht mehr viel zu tun. Margot Maria Magdalena Käßmann verbreitet eine klebrige Kitschsoße, in der sie Plüschigkeit mit knallhartem politischen Freund-Feind-Denken verrührt. Schlichte Sprüche für die Zielgruppe ihrer Bücher, die sie selber als weiblich, zwischen 45 und 70, definiert. Ein Geschäft, das Lebenssinn verspricht, aber nur die Sucht nach immer mehr von dieser klebrigen Soße schafft.

10 Kommentare
  1. Frank Rawlinson sagte:

    Dass Du auf Frau Käßmann zurückgreifen musst, um Deine tüchtige und analytisch begabte Bekannte aus der Kreuzberger Kneipe ins Zwielicht zu stellen, finde ich enttäuschend. :o)

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  2. Christoph Lemmer sagte:

    Mündige Bürger wollen sie trotzdem sein. Mir fiel heute einfach nur der krasse Kontrast zwischen Käßmanns Geschwätz und dem glasklaren Gedanken des Herrn Yamada in Japan auf. Und damit wollte ich gern ein paar Leute verstören.

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  3. Frank Rawlinson sagte:

    Für die Verheißung einer fürsorglich gesicherten ökonomischen Existenz würden mancher vielleicht auf seine Mündigkeit verzichten – ohne dies natürlich jemals vor anderen einzuräumen.

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  4. abc sagte:

    1A-Artikel,besser kann man das Treiben dieser hochmütigen und eitlen Frau nicht beschreiben.Pflichtlektüre für all Kirchentags-Omis

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  5. Gerhard Thomann sagte:

    Sehr geehrte Frau Pfarrerin Käßmann,ich habe am Sonntagabend die Sendung von Anne Will ,Polittalk verfolgt.
    Sie haben eine sehr gute Ansicht, wo die Politik total daneben ist,siehe FDP-Vertreter.
    Ich habe selbst FDP gewählt und bin total Enttäuscht worden,von diesem Wahlversprechen……….
    Ich kann Ihnen nur Mut zureden-schreiben,weiter so ,mit Gottes -Hilfe lässt es sich leichter Leben ,als mit Unwahrheiten wie sie mir ja jeden Tag Anhören müssen

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  6. Uwe Hillebrand sagte:

    Aus dem Kapitel „Sinn des Lebens“ meines Buches „Warum glaubst Du noch? – Lehren der christlichen Kirchen unter dem Gesichtspunkt der Logik“

    ….. Es ist durchaus nicht einfach, ein sinnvolles Leben zu führen, und in dem, was man als Individuum und zugleich als Mitglied der Gemeinschaft tut, echte Erfüllung zu finden. Hinzu kommt, dass der Begriff Sinn zunächst einmal definiert werden muss, was u.a. ein philosophisches Problem darstellt. Für einen Gläubigen zählt nur, dass ihm ein Platz bei Gott reserviert ist. Wissen tut er es nicht, er glaubt es. Um seinem Argument mehr Gewicht zu verleihen, sagt er, er sei davon überzeugt. Aber dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich dabei nach wie vor um Glauben handelt. Und die Beweislast für das Geglaubte liegt nicht bei demjenigen, der nicht glaubt, sondern eindeutig bei dem, der glaubt. Auf die Frage, was es so erstrebenswert mache, bei Gott zu sein, bekommt man zumeist die Antwort, dass Gottes Reich vollkommen sei, und es fallen Worte wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Gewaltlosigkeit. Jeder sozial eingestellte Mensch würde diese Werte ebenso als Zielvorgabe für das Leben in der Gemeinschaft nennen, auch wenn er Atheist wäre. …..

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