Günther Jauch als Unterstützer einer Volksabstimmung: Im April 2009 warb er gegen den religionsfernen Ethik-Unterricht an Berliner Schulen

Volksabstimmungen sind gerade in Deutschland nicht ungewöhnlich. Die nächste findet am 27. November statt. Da entscheidet das Volk von Stuttgart und Umgebung über den Umbau eines Bahnhofs. In Bayern wurde per Volksentscheid das Rauchen in Gaststätten verboten. In Berlin scheiterte eine Elterngruppe nur knapp, die mit Unterstützung von Günther Jauch und anderen Prominenten die Einführung eines religionsfernen Religionsunterrichts an Berliner Schulen verhindern wollte. In Hamburg waren die Eltern erfolgreicher, verhinderten die Abschaffung des gegliederten Oberschulsystems und kippten damit sogar den schwarz-grünen Senat. Nur zu den wirklich großen Fragen – da hat die Exekutive bisher erfolgreich ein Votum des Volkes verhindert. Vielleicht daher das Entsetzen über das griechische Referendum zur Euro-Hilfe?

Offenbar kommen die Parteien (und zahlreiche Chefredakteure) damit klar, dass Pupsfragen zu Monstren aufgeblasen werden, solange die wichtigen Themen den Profis überlassen bleiben. Die Stuttgarter sind darin Weltmeister. Sie haben es sogar fertiggebracht, ihren völlig rechtmäßig beschlossenen Bahnhof mit der Berliner Mauer und ihr Ländle mit der Unterdrücker-DDR zu vergleichen. Das ist lächerlich und darum für die Politik nicht wirklich bedrohlich. Als es um den Lissabon-Vertrag ging, der die Abtretung von Souveränitätsrechten an anonyme und demokratisch nicht legitimierte europäische Institutionen bedeutete, da sah die Sache anders aus. Eine Phalanx deutscher Parteipolitiker ätzte gegen Irland, wo das Volk zwei Mal abstimmen musste, weil es beim ersten Mal nicht spurte.

Vielleicht ist das auch der Weg für Griechenland. Sollte das Volk nein sagen, wird es eben so oft immer wieder befragt, bis es endlich ja sagt. Ja zur Einsetzung fremder Regierungsgouverneure, die bestimmen, wie das Land regiert wird. Während Deutschland im Kleinen weiter vor sich hinplebiszitiert. Das nächste Volksbegehren startet schon, wieder in Berlin, wieder von einer Elterngruppe initiiert. Diesmal geht es um eine „bessere Grundschule“. Die deutschen Euro-Rettungsgarantien stehen vorsichtshalber nicht zum Volksentscheid. Der Grund dürfte klar sein.

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