Von links: Nursultan Nasarbajew (Kasachstan), Mao (China), König Mohammed VI. (Marokko), Mahmud Ahmadinedschad (Iran), Fidel Castro (Kuba), Wladimir Putin (Russland)

Es ist schon eine Ironie, dass der chinesische Nobelpreisträger Liu Xiaobo jetzt in einer direkten Reihe mit dem deutschen Widerstandskämpfer Carl von Ossietzky steht. Liu ist nach von Ossietzki wieder ein Preisträger, den das Regime, das er bekämpft, nicht zur Verleihung nach Oslo reisen lässt. Wenigstens diese Gemeinsamkeit mit Nazi-Deutschland muss sich China jetzt nachsagen lassen. Viel geredet worden ist in den letzten Tagen von der diplomatischen Offensive Chinas, die darauf abzielte, möglichst viele Botschafter vom Boykott der Veranstaltung zu überzeugen. Fünf Länder folgten dem chinesischen Begehr, nämlich Kuba, Iran, Kasachstan, Marokko und Russland. Überraschend ist vielleicht, dass Marokko sich in diese Achse der Erbämlichen einreihte. Schließlich gilt es als nicht so übel, und sein König hat bisher so etwas wie Reformwillen durchblicken lassen. Wenig überraschend sind die anderen. Kuba hat sich ja gerade darauf spezialisiert, seine Oppositionellen aus dem Gefängnis ohne Umweg in die Emigration nach Spanien zu schicken. Über Iran muss niemand große Worte verlieren, da finden sich derzeit genug aktuelle Schlagzeilen. Kasachstan ist ebenfalls eines dieser Unterdrückerländer, dessen Herrscher sich nun seit Jahrzehnten an die Macht krallt. Und Putins Russland ist bekanntlich ein tödliches Pflaster für Journalisten. Zusätzlich erbärmlich ist die russische Ausrede, seine Absage habe keineswegs mit Chinas Vorstoß zu tun. Wer soll das bitte glauben? Da haben sich die Richtigen gefunden. Man vermisst vielleicht Nordkorea. Aber das Kim-Reich hat offenbar keine Botschaft in Oslo und darum erst gar keine Einladung erhalten, die es ausschlagen konnte.

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