Die ersten, die nach der Bombe in Oslo jubelten, waren fanatische Islamisten. In einigen ihrer Foren fanden sich die typischen hämischen Kommentare, die sich eben so finden, wenn es knallt und die Welt erstmal glaubt, al Kaida sei es gewesen. Das glaubten anfänglich auch einige deutsche und europäische Medien, weshalb ihnen jetzt arabische Zeitungen Vorurteile vorwerfen. Nicht viel intelligenter ist das Gegen-Vorurteil, das sie gleich mitliefern, wenn sie behaupten, in Europa rüsteten sich gerade die Kreuzritter. Bekannt ist deren zurzeit nur einer, und der heißt Breivik.

Die Debatte darüber, wem die über 80 Toten nützen, ist höchst unappetitlich. Geführt wird sie trotzdem. Sogar in der deutschen Innenpolitik spielt sie eine Rolle. Der CSU-Poliker Uhl behauptet, Herr Breivik sei kein Einzeltäter, weil er ja das Internet zum Komplizen gehabt habe. Herr Uhl (und andere) missbrauchen die Tragödie, um ihrer Forderung nach der Vorratsdatenspeicherung im Netz Nachdruck zu verleihen. Dabei hat die Vorratsdatenspeicherung nichts mit Breiviks Taten zu tun. Norwegen hat die Vorratsdatenspeicherung bereits und sie hat nichts genützt. Breivik selbst lieferte in seinem sogenannten Manifest eine mögliche Erklärung dafür. Er habe das Tor-Netz zur Verschlüsselung verwendet, also das Netz im Netz, in dem sich auch Kinderschänder tummeln. Uhl lässt das kalt.

Wer gewinnt die norwegischen Kommunalwahlen?

Natürlich spielt die Debatte über die politischen Folgen des Doppelanschlags vor allem in Norwegen selbst eine Rolle. Dort sind im September Kommunalwahlen. Im Moment heißt es, nach Ansicht aller Beobachter werde die Arbeiterpartei profitieren und die Fortschrittspartei verlieren. Mag sein. Möglicherweise ist aber auch das nur ein erster Reflex von kurzer Dauer. Norwegen scheint eine ziemlich kuschelige Presse zu haben, die die Polizei und die Politik trotz offenbar gravierender Fehler bisher nicht gerade hart anfasst. Ein Geheimdienst, der seit März alles mögliche über diesen Herrn Breivik wusste und stillhielt, wird wohl früher oder später ein paar Fragen beantworten müssen.

Das wäre dann wieder die Stunde der Fortschrittspartei. Als Law-and-Order-Partei wäre sie glaubwürdiger als die Arbeiterpartei. Womöglich zieht sie mit dem Versprechen in den Wahlkampf, der Osloer Stadtpolizei die Helikopter zu beschaffen, die sie offenbar schon seit Jahren fordert und nicht bekommt. Das dürfte vermutlich gerade gut ankommen und Versäumnisse der Arbeiterpartei offenlagen, die die Reaktion auf die Tragödie erschwerten.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.