Man steht etwas fassungslos da und fragt sich, was jetzt schlimmer ist: Die eventuelle Kernschmelze in japanischen Kernreaktoren, oder die nunmehr unbestreitbare Hirnschmelze in deutschen Redaktionen und Politiker-Stuben. Gleich letztes Wochenende etwa die Gr√ľne Renate K√ľnast mit dem v√∂llig verantwortungslosen Satz: “Das ist wie Tschernobyl”, so wiedergegeben in der Berliner B.Z. Steile Meinungen und die widerw√§rtige Ausbeutung der japanischen Katastrophe von deutschen Panik- und Gef√ľhlspolitikern funktionieren hervorragend. Die Desaster-Gewinnmaschine des Spiegel scheint wie geschmiert zu laufen. Offenbar telefonieren die Spiegel-Werbe-Verk√§ufer gerade ihre Gro√ükunden ab, um angesichts explodierender Klickzahlen ordentlich Krisengewinne abzusahnen, wenn Anwalt Steinh√∂fel zutreffend bloggt, wof√ľr spricht, dass er beste Dr√§hte zum Werbe-Gro√ükunden Metro haben soll. Ebensogut laufen die Gesch√§fte von Apotheken (Jod-Tabletten) und Elektro-Conrad (Geigerz√§hler). Gekniffen ist freilich, wer dieser Tage Fakten statt Meinungen und Emotionen will.

Damit meine ich weniger die Schwierigkeit, Details aus Japan selbst zu beziehen. Da meckern die Superjournalisten zwar, als sei Japan zensiert wie einst die Sowjetunion. Dabei gibt es aus Japan etliches an Informationen, das den Panikmachern nur nicht in den Kram passt. Etwa, dass es bisher keine Atomkraft-Toten gibt (was sich √§ndern k√∂nnte, denn die 50 Arbeiter, die jetzt noch in den Reaktoren arbeiten, d√ľrften hoch gef√§hrdet sein). Oder dass die Verstrahlung der Umgebung unvergleichlich geringer ist als damals in Tschernobyl. Jede Redaktion mit Agenturanschluss bekommt so etwas √ľber die Ticker geschickt, wo sich dann freilich auch v√∂lliger Bl√∂dsinn findet wie das ¬†Statement des Freiburger √Ėko-Institutlers Christian K√ľppers, der aus dem beschaulichen Breisgau zu Protokoll gibt, Fukushima solle mit einem “Sarkophag” nach Tschernobyl-Art umgossen werden.

Wer weniger spekulative Stimmungsmache m√∂chte, sondern etwa der Frage nachgehen, was da wirklich in so einem Brennstab passiert und wie lange es dauert, bis der sich beruhigt, hat es in Deutschland schon schwerer. Dank der politischen Kujonierung der Wissenschaft gibt es praktisch keine Fachleute mehr, die solche Frage noch beantworten k√∂nnen. ¬†An den Berliner Unis (FU und TU) hei√üt es, Kernforschung gebe es dort nicht mehr. In Frankfurt/M. gibt es zwar noch ein Instititut f√ľr Kernphysik, aber das, so sagt ein Mitarbeiter, hei√üe nur traditionell so. Mit Atomphysik habe es nichts mehr zu tun. Das ist kein Zufall, sondern Resultat rot-gr√ľner Atompolitik, die ja auch darin gipfelte, Forschung und Entwicklung gesetzlich zu verbieten, ein Paradigmenwechsel f√ľr eine Wissensgesellschaft. Die Regierenden haben Erkenntnis verboten, aus Angst, ihre Entscheidungen k√∂nnten in ferner Zukunft als falsch entlarvt werden. Am Ende bleibt allein das Kernforschungszentrum in J√ľlich, das aber gerade derart √ľberrannt wird, dass ein dann allerdings f√§higer und kompetenter Gespr√§chspartner erst zehn Minuten vor Redaktionsschluss ans Telefon zu bekommen ist.

Dass die Zeitungen praktisch √ľberall in der zivilisierten Welt sich √ľber die ber√ľchtigte German Angst lustig machen, ist da keine √úberraschung. Platt war ich allerdings, als ich gesehen habe, dass auch der Spiegel auf seiner internationalen Seite in den Spott √ľber die German Angst einf√§llt, die er auf seiner deutschen Plattform an vorderster Front sch√ľrt. Wer mal richtig staunen will √ľber die German Hirnschmelze, klicke hier.

11 Kommentare
  1. Patrik Rohner sagte:

    Am besten fand ich das Bonmot zum Schluß mit dem Link zu Spiegel International!
    Unglaublich…

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  2. Viktor sagte:

    Guter Artikel! Eine kleine Erg√§nzung: Neben dem Kernforschungszentrum J√ľlich gibt es noch die Uni Karlsruhe und das angeschlossene Kernforschungszentrum, die ebenfalls Spitzenforschung betreiben. Die Ergebnisse der j√ľngst eingerichteten Arbeitsgruppen, die sich mit dem Reaktorungl√ľck in Japan befassen, werden hier ver√∂ffentlicht: http://www.kit.edu/besuchen/6042.php

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  3. petra sagte:

    Was soll daran unglaublich sein, das da ein Link zum Spiegel verweist? Ist doch ne nette Art f√ľr den Spiegel Werbung zu machen:….
    Unglaublich ist wohl eher, das auf diese Art die eigene Hirnschmelze dargestellt wird!!und es Leser gibt, die auf diese Seite applaudieren…..

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  4. D.Schweinlin sagte:

    Zum Geschlecht des Neutron empfielt sich eine R√ľckfrage bei der ehemaligen Berliner Volksvertreterin Anne Klein. Sie hatte einst gefordert, als Partei”Mitgliedin” bezeichnet zu werden und scheint deshalb mit einer grossen Sensibilit√§t f√ľr dieses Thema gesegnet.

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