Was tun, wenn einer schon lange Zeit arbeitslos ist? Einen originellen Beitrag zur aktuellen Hartz-IV-Debatte liefert in gewisser Weise das amerikanische Intellektuellen-Magazin “The Atlantic”. Die Kolumnistin Megan McArdle kommt darin zu dem Schluss, dass Vater Staat hier eigentlich gar nichts tun kann. Ihre Perspektive ist – typisch amerikanisch – höchst pragmatisch und zielorientiert. Sie bezieht sich natürlich nicht direkt auf die deutsche Hartz-IV-Thematik, aber die Debatte in den USA ähnelt gerade sehr der in Deutschland.

Der Blogger Kevin Drum beschrieb das Phänomen vor einigen Tagen und urteilte: “Massenhafte Langzeitarbeitslosigkeit gehört zu den zersetzendsten Dingen, die ein Land erleben kann. Die Tatsache, dass wir praktisch nichts dagegen tun, ist nicht nur eine Schande, sondern auch gefährlich.” Klingt super, antwortet McArdle darauf. “Aber was genau sollten wir da jetzt tun?”

Sodann beschreibt sie die immer gleichen Prozesse jeder Rezession. “Wenn die Jobs knapper werden, werden die Arbeitgeber wählerischer, mit wem sie ihre freien Posten besetzen”, stellt sie fest. “Wenn Angestellte aus schrumpfenden Industrien auf dem Arbeitsmarkt landen, wird es schwieriger, in eine neue Branche oder einen neuen Job zu wechseln.” Das Resultat sei Langzeitsarbeitslosigkeit.

Frühere Methoden, dem Problem abzuhelfen, würden nicht mehr funktionieren, etwa die Methode des früheren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, der – so McArdle – den Staat zum Arbeitgeber machte und Jobsuchende anstellen ließ. Damals seien die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes aber noch nicht so mächtig gewesen wie heute, und die Arbeit, um die es ging, sei überwiegend körperlich gewesen, während heute vor allem Kopfarbeit gesucht sei.

Was also tun? “Die traurige Tatsache ist, dass gegen Langzeitarbeitslosigkeit nichts getan werden kann, außer, dafür zu sorgen, dass die Betroffenen regelmäßig etwas zu essen bekommen”. Umschulungsprogramme der Regierung hätten nur Misserfolge gebracht, ebenso Steuererleichterungen für Unternehmen, die Langzeitarbeitslose einstellen. “Was tun?”, fragt McArdle, “Arbeitgeber mit vorgehaltener Waffe zwingen?”

“Die Antwortet lautet: Nichts.” Der Staat solle dafür sorgen, Arbeitslosen ihr Schicksal zu erleichtern. “Aber die Regierung kann Dir keinen Job besorgen, ebenso  wenig wie einen Ehepartner oder ein Hobby”. Denn: “Nur der Einzelne ist in der Lage, einen passenden Arbeitgeber zu finden.”

Da ist was dran. Auch in Deutschland gelten die milliardenschweren Umschulungen für Arbeitslose als grandiose Pleite. Trotzdem denkt die Politik nicht daran, sie zu beenden. Und auch hierzulande kommt es am Ende auf jeden Einzelnen an. Wer sich in einer Firma vorstellt – mit oder ohne Unterstützung des Arbeitsamtes – ist allein auf sich gestellt, wenn er beim künftigen Chef einen guten Eindruck hinterlassen will. Und am Ende ist genau das der Moment, an dem sich entscheidet, ob einer den Job bekommt oder nicht.

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