Ralph, der Wirt, hinter dem Tresen seiner Dartkneipe in Dommitzsch
Ralph, der Wirt, hinter dem Tresen seiner Dartkneipe in Dommitzsch

Ralph, der Wirt, hinter dem Tresen seiner Dartkneipe in Dommitzsch

„Stadt Dommitzsch“ steht auf dem Ortseingangsschild, das durch die Frontscheibe des Überland-Linienbusses zu sehen ist. Linienbus deshalb, weil Dommitzsch keinen Bahnhof mehr hat. Wer mit der Bahn kommt, steigt in Torgau aus und fährt dann mit dem Bus weiter. Aber Stadtrechte hat Dommitzsch nach wie vor. Es ist Sachsens nördlichste Stadt. Und hat genau zwei Sehenswürdigkeiten: Sachsens zentrale Polizeiakademie und Ralphs Dart-Kneipe.

Die Polizeiakademie hat eine nicht unbedingt rühmliche Vergangenheit. Sie war zu DDR-Zeiten eine Schulungsstätte der Volkspolizei, wobei es hier wohl weniger um die Ausbildung von Verkehrs-Schupos ging. Davon zeugt der große Sendemast auf dem Gelände und die von einem netten, wiewohl arg DDR-nostalgischen Pensionär gepflegte Sammlung von Funkgeräten aller Art, durchweg noch betriebsbereit, gebaut in der DDR oder in der Sowjetunion. Stolz zeigt er Pensionär auch die in einer Glasvitrine verwahrten Mini-Wanzen, deren Einsatz hier in Dommitzsch früher offenbar auch trainiert wurde.

Heute bildet die sächsische Polizei hier ihre Beamten aus und ist derart offen, dass sie ausgerechnet mich vor ihren Pressesprechern einen Vortrag zum Thema „Manipulation und Wirklichkeit in Medien aus journalistischer Sicht“ halten lässt. Oder über die Fragen diskutieren, die Pressesprecher und Journalisten sonst interessieren: Wie vertrauensvoll man miteinander umgehen kann/darf/soll, welche Erfahrung einen prägen, welche Folgen die rasante Entwicklung der Medien mit sich bringt… Sehr muntere Veranstaltung!

Die andere Dommitzscher Sehenswürdigkeit ist auf ihre Weise auch munter. Ralphs Dart-Kneipe liegt am anderen Ende der Stadt. Dort ist am Abend alles dunkel. Nur ein einsames Open-Schild leuchtet dem, der entweder weiß, wo er hinwill oder der beim Abendspaziergang zufällig dorthin gerät. Drinnen ist es schwer verraucht. Der Wirt heißt Ralph. Er wurde in Kanada geboren (und zeigt zum Beweis seinen kanadischen Pass). Später zog er zu seiner Familie in den Schwarzwald. Nach der Wende verschlug es ihn in den Osten. In Cottbus lernte er seine Frau kennen, mit der er zusammen die Kneipe führt (sie wollte allerdings nicht mit aufs Bild). Gegen halb elf bin ich reichlich duhn von drei oder vier Bieren und ebenso vielen Obstschnäpsen (selbstgebrannt von Verwandten auf der Schwäbischen Alb, sagt Ralph). Macht eine Zeche von 6,90 Euro. „Mehr geht hier nicht“, sagt Ralphs Frau.

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