Was hätte Jörg Haider dazu gesagt, dass die Ratingagenturen wichtige Euro-Länder herabstufen? Vermutlich hätte er sein Bonmot weiterentwickelt, demzufolge er das „Wiener Herz“ gegen die die angebliche kulturelle Hegemonie von der „Ostküste“ bevorzuge. Jetzt, wo Haider tot ist, erledigen das der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs und der Europa-Politiker Elmar Brok in ähnlich demagogischer Hinterhältigkeit. Fuchs ruft quasi den Kriegszustand aus, denn hier gehe es um eine „Attacke auf den Euro“, und Brok reitet antiwestliche Ressentiments mit seinem Verdacht, die Agenturen betrieben „anglo-amerikanische Interessenspolitik“. Die Ostküste also. Nicht besonders förderlich für die Verschwörungstheorie der Herren ist freilich, dass eine der drei großen Agenturen, Fitch, mehrheitlich der französischen Fimalac-Gruppe gehört. Die wiederum wurde 1991 von Marc Ladreit de Lacharrière gegründet. Lacharrière ist der typische französische staatsnahe Großindustrielle mit Sitz und Stimme in den wesentlichen Konzernen des Landes. Das hindert seine Agentur nicht, die Euro-Schuldenpolitik ebenso kritisch zu sehen wie die angelsächsischen Mitbewerber.

Nicht nur darum sind die Wortspenden Fuchs‘ und Broks nicht besser als Gregor Gysis Hetze vom „Krieg der amerikanischen Rating-Agenturen gegen die europäischen Völker“. Wer Krieg und Attacke mit Lügen herbeiredet, der bereitet sich offenbar exakt auf solche Zustände vor. Dabei liegt die Ursache tatsächlich bei den verbalen Kriegstreibern, die die Staaten überschuldet und ihnen damit die Zukunft genommen haben. Und Kriegszustände auszurufen, um eigenes Versagen zu kaschieren, ist bekanntlich nichts Neues. In Zeiten der Wulffschen Bananenrepublik muss man offenbar auch Undenkbares wieder für denkbar halten.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.