Der Presseausweis ist die Lizenz zum Empfang systematischer Bestechungsleistung (Bild via Presseausweis.org)

Das Portal pressekonditionen.de hat heute die Top-100-Liste der meistgeklickten Spezial-Rabatte für Journalisten veröffentlicht. Ganz oben steht Air Berlin, wo Journalisten gegen Vorlage ihres Presseausweises 25 Prozent Rabatt auf ihre privaten Ferienflüge bekommen und innerdeutsche Tickets zum Festpreis von 109 Euro. Fast 150.000 Mal wurde es angeklickt. Auf Platz 2 landete die Telekom, die Presseausweisbesitzern verbilligte Online-Zugänge und Telefonverträge ausgibt, etwa 15 Prozent Rabatt auf ihre  – privaten! –  iPhone-Kosten. Auf Rang 3 findet sich das wirklich lukrative Angebot der Bahn, die Journalisten den Preis für ihre – private! – Bahncard 50 halbiert.

Zu kritisieren sind weniger die Unternehmen, sondern die Journalisten und ihre Organisationen. Dass Presseausweise fast ausschließlich als Einkaufskarte genutzt werden und praktisch nie für den Job ist in der Branche lange bekannt. Dass der Presseausweis kaum zum Recherchieren genutzt wird, wird schon klar, wenn man weiß, wer ihn alles bekommt. Da zählen Moderatoren von Unterhaltungssendungen oder Radioshows ebenso dazu wie PR-Schreiber – Leute, die definitiv keine journalistischen Tätigkeiten ausüben.

Die Verbände, die den Presseausweis ausstellen, behaupten dennoch, er diene dazu, “Zugang zu Veranstaltungen und  gesperrten Geländen oder Informationen” zu erhalten. Das ist pure Heuchelei. Er dient tatsächlich hauptsächlich dazu, Zugang zu Presserabatten zu erhalten. Der Presseausweis ist nichts anderes als eine offizielle Berechtigungskarte zum Empfang von Bestechungsleistungen.

9 Kommentare
  1. Walter Becher sagte:

    Mitarbeiter des Verlages Axel Springer, fliegen in hohem Bogen, wenn das raus kommt. Döpfner hat damals, mit als erste Amtshandlung im Verlag, an alle Mitarbeiter schriftlich ein absolutes Verbot von Vorteilsnahme erlassen, mit der Androhung der sofortigen fristlosen Entlassung, Journalisten gehören in Deutschland zu den Spitzenverdienern und es gibt überhapt keinen Grund, uns Preisnachlässe zu gewähren. Ich hätte mich in Grund und Boden geschämt, wenn ich in den 40 Berufsjahren, um Rabatte gebettelt hätte. Eher hätte ich auf eine “Anschaffung” verzichtet. Es ist öfter passiert, das man mir etwas zustecken wollte. Ich habe solcherlei Ansinnen immer strikt zurück gewiesen. Käuflichen Journalisten gehört ein Berufsverbot auf Lebenszeit ertreilt !!!

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    • Claudia Freitag sagte:

       Sehr geehrter Herr Becher,
      wo arbeiten Sie denn, dass Sie erzählen, die deutschen Journalisten gehören zu den Spitzenverdienern? Haben Sie schon mal an all die freien Journalisten gedacht, die sich von
      Auftrag zu Auftrag hangeln bei einer Bezahlung, die unter aller Sau ist?
      Und an all die Jungredakteure, die nach dem Volontariat nicht mehr als 1800 Euro brutto erhalten? Und wahrscheinlich kaum mehr verdienen werden?
      Die Zeiten der Superverdiener ist vorbei bei dem Fußvolk der Journalisten, da muß man schon Chefredakteur werden.
      Übrigens: Mitarbeiter bei Springer fliegen NICHT raus, wenn sie den Presserabatt nutzen.
      Sie fliegen raus, wenn sie sich bestechen durch Geschenke, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wenn sie was geschenkt bekommen, so müssen sie das melden, das ist alles …

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  2. Peter Thiesen sagte:

    Die augenblickliche Empörung ganzer “Journalisten”-Horden über Christian Wulffs Hauskredit
    ist eine einzige Pontenzierung der Heuchelei. Gerade im Journalismus ist die Gier nach Rabatten so extrem ausgeprägt, wie in keinem anderen Berufsfeld in Deutschland.

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    • bitterlemmer sagte:

      Stimmt. Und? Macht das die Sache besser? Gegen die Journalisten-Korruption mit dem Presseausweis ziehe ich jedenfalls auch immer wieder in den Kampf.

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  3. Rolf Helle sagte:

    Wie sagte doch vor Jahren einmal ein Fach-Jounalist zu mir und grinste dabei unter seiner wenig geputzten Brille vor: “Merken Sie sich eins! Halt die Presse”
    (Presse anstatt Fresse)!

    Klar gibt es eine PRESSEFREIHEIT! Ob dabei auch terminliche Dinge abgesichert sind ist mir unbekannt. Ob die Kredit-Geschichte nun unbedingt an Weihnachten aufgebauscht werden musste oder erst an Ostern, das wäre im sinne der Pressefreihet doch egal. So zeigt sich, dass hinter dieser Geschichte doch was ganz anderes steckt. Aber – eine Krähe…… und deshalb wird nun von vielen Besserwissern darauf herumgeritten. Die stets gestellte Frage, wer da die Demokratie und das Amt mehr beschmutzt wird von den Schreiberlingen weit von sich weggehalten.

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  4. Conny sagte:

    Die schlimmsten Huren, habe ich mir mal von einem Springer-Mitarbeiter sagen lassen, sind Auto- und Reisejournalisten.

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  5. Romolus70 sagte:

    Und dann gibt es mit dem DVPJ (Deutscher Verband der Presse-Journalisten mit Sitz in Ingolstadt) eine Organisation, die auf Profit aus ist, und verkauft nach eigenen Angaben pro Jahr rund 10.000 Presseausweise, deren Inhaber dann natürlich nur darauf aus sind, Presserabatte abzugreifen. Und keine Behörde stoppt diesen Verein, der zudem noch angibt, eine Aktiengesellschaft zu sein.

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  1. […] dazu, bzw. ich kam nicht dazu, denn die beiden älteren Herren an der Pforte ließen mich ohne Presseausweis nicht ein. Das war insofern lächerlich, als Parteisprecher Alexander Fischer über mein Kommen im […]

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