Pfarrer Terry Jones aus Gainesville in Florida dürfte vermutlich gerade sehr dankbar für die talibanische Abart des Islam sein. Denn Pfarrer Terry Jones hat gerade schlagartig sein größtes Problem gelöst: Mangelnde Berühmtheit. Bis vor ein paar Tagen war er nur ein kleiner Sektenprediger mit einer Miniaturgemeinde, deren Messen von um die 50 Schäfchen besucht wurden. Im Land der Megachurches mit 5000 restlos besetzten Plätzen ist das fast ein bisschen peinlich. Und wenn man das Video betrachtet, das Terry Jones jetzt ins Internet gestellt hat, dann versteht man, warum niemand Notiz von ihm nahm. Er ist ein schlechter Redner, und das, was er sagt, ist belanglose Phrasendrescherei.

Wie, wird er sich Jahr um Jahr gefragt haben, wie schaffe ich es, reich und berühmt zu werden? Warum sind die anderen Prediger so viele Lichtjahre erfolgreicher, attraktiver, begehrter? Aber dann viel ihm ein, dass es ja überall auf der Welt muslimische Fanatiker gibt, die ebenso verzweifelt nach Aufmerksamkeit gieren. Und nicht nur ein paar Dutzend dieses Kalibers, sondern gleich Tausende. Leute, die nur darauf warten, bitte bitte endlich provoziert zu werden. Und Terry Jones erhörte sie, seine kriegerischen Verbündeten, darauf hoffend, dass die seinen Auftritt nicht für einen umkippenden chinesischen Sack Reis halten mögen und tat ihnen den größten Gefallen, den er für sie aufbringen konnte. Er drohte mit öffentlicher Verbrennung des Koran.

Und siehe: Terry Jones hatte sich nicht getäuscht. Natürlich mussten die leicht Empörbaren unter den Muslimen zuerst die Kunde von Terry Jones‘ sinistrem Plan vernehmen, aber das ist ja heutzutage kein Problem. Die ebenfalls leicht erregbaren Agnostiker unter den Journalisten lieben ja quertreibende christliche Geistliche fast so sehr wie Terry Jones seine talibanesischen Freunde. Und vielleicht steckt in manchem, der diesem Terry Jones für solchen Unfug gleich den Aufmacher spendierte, auch noch ein kleiner Junge, der schon als Kind leidenschaftlich zündelte. Terry Jones jedenfalls hatte dank ein paar mäßig dahingesagten Worten die Schlagzeilen der Weltpresse und war plötzlich ein wichtiger Mann. So wichtig, dass der leibhaftige US-Verteidigungsminister Robert Gates ihn zu Hause in Gainesville anrief und ihm seine Schwachsinnsidee ausredete, jedenfalls fürs erste, denn Terry Jones fürchtet sich jetzt womöglich davor, als One-Hit-Wonder in die Geschichte einzugehen, weshalb er jetzt einen Schlingerkurs eingeschlagen hat und davon spricht, die Koran-Verbrennung sei erstmal nur ausgesetzt.

Viel ernster als der Mann Terry James ist das Drumherum, das ihm seinen Medienfeldzug über die Welt ermöglicht. Die Kombination aus Sensationslust hier und Mordlust dort, die mit Skrupellosigkeit und Verantwortungslosigkeit zur Affäre wird. In einer freien Gesellschaft wie der amerikanischen ist es erlaubt, auch unverantwortlichen Unsinn zu reden. Dummheit ist zum Glück nicht strafbar. Ebenso erlaubt ist es, darauf hinzuweisen, wer dieser gewisse Herr Terry James eigentlich ist (wie gesagt, ein erfolgloser Prediger in einem bedeutungslosen Kaff) und dass es völlig egal ist, was er sagt oder tut, weil er von niemandem beauftragt wurde als von sich allein, weil er eben nicht für die Amerikaner, den Westen oder das Christentum spricht. Das tun bekanntlich die, die dazu gewählt wurden. Regt Euch also ab.

Einen schlauen Satz zur Sache twitterte heute die Fernsehmoderatorin Gayle King: „Dasselbe, was ich für Pastor Jones empfinde, empfinden die meisten Muslime für die 9/11-Hijacker.“ Wobei hinzuzufügen wäre, dass Pastor Jones immerhin keine voll besetzten Flugzeuge in voll besetzte Gebäude steuerte.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.