Das hat schon was: Ausgerechnet das kleine Zypern, das sonst an der kurzen Leine der Herren in Athen gehalten wird, zeigt den Europ√§ern, was Demokratie und Gewaltenteilung ist. Das zyprische Parlament erteilt dem Deutschen Bundestag (und den anderen Parlamenten der EU) eine √ľberf√§llige Lektion in parlamentarischer Unabh√§ngigkeit und demonstriert dar√ľber hinaus, dass Gewaltenteilung mehr sein kann als hohles Geschw√§tz.

Allein die Hartn√§ckigkeit, mit der die zyprischen Abgeordneten darauf bestehen, zuerst einmal alle Unterlagen lesen zu d√ľrfen, √ľber die sie abzustimmen haben, verdient Respekt. Was f√ľr ein wohltuender Kontrast zu den schnellen Jasagern im Deutschen Bundestag, die ohne den leisesten Schimmer abnicken, was die Exekutive ihnen vorsetzt, und zwar immer zackig und schnell, weil die Exekutive st√§ndig auf Notstand macht.

Es stimmt, ehrlich gesagt, auch schadenfroh, zu lesen, dass Kanzlerin Merkel sich jetzt sonstwie √ľber dieses Zypern aufregt. Soll sie! Sie steht einer Regierung vor, die die Legislative im eigenen Land vollst√§ndig enteiert hat. Sie kennt nicht mehr den Unterschied zwischen erster Gewalt, der sie nur als simple Abgeordnete angeh√∂rt, und zweiter Gewalt, die nicht ohne Grund so hei√üt. Sie hat gef√§lligst in die Tat umzusetzen, was die erste Gewalt als Gesetz beschlie√üt, nicht anders herum, jedenfalls laut Grundgesetz, das freilich nicht erst Angela Merkel diesbez√ľglich ausgeh√∂hlt hat.

Gro√üartig ist auch, zu sehen, dass die zyprische Regierung mit ihrem sogenannten Plan B scheitert, der darin besteht, alles irgendwie auftreibbare Eigentum als Sicherheit f√ľr neue Staatsschulden zu verpf√§nden, von der Rentenkasse bis zum Kirchenverm√∂gen. Offenbar sind die Abgeordneten nicht so doof, dass sie nicht bemerken, dass damit absolut nichts gewonnen w√§re ‚Äď au√üer, dass der endg√ľltige Staatskonkurs hinausgez√∂gert w√ľrde und am Ende nicht nur die Banken und die Regierung pleite w√§ren, sondern auch die Rentenkasse und die Kirche.

Man kann Zypern nur w√ľnschen, dass das Parlament jetzt seine Macht erkennt und ernst nimmt. Tut es das, w√§re die Stunde der Wahrheit angebrochen. Die Staaten m√ľssten ihre Bilanzen hervorkramen, es w√§re der Zeitpunkt, alle gegenseitigen Forderungen aufzurechnen und zu regulieren, und dann k√∂nnte das Abenteuer Euro-W√§hrung endlich abgeschlossen werden. Ob hinterher Gruppen von L√§ndern, die wirtschaftlich zusammenpassen, gemeinsame W√§hrungen einf√ľhren oder ob jedes Land wieder eigene Scheine druckt, ist dabei zweitrangig. Wichtig ist nur, dass nicht zusammengekettet sein sollte, was nicht zusammengeh√∂rt.

Und es wäre das Verdienst der Legislative, der ersten Gewalt, des Parlaments. Der einzigen staatlichen Gewalt, die in den europäischen Demokratien direkt von Volk gewählt wird.

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