Wieder mal so ein typisches Stück aus dem politisch-publizistischen Tollhaus: Ausnahmslos alle Parteien einschließlich Spiegel-Online zerreißen die absolut vernünftige Idee, Flugpassagiere unterschiedlich scharf zu kontrollieren, je nachdem, ob sie zu einer riskanteren oder weniger riskanteren Gruppe gehören. Spiegel Online haut sogar mit der Nazi-Keule zu und wirft dem Chef des Flughafenverbandes, Christoph Blume,  “Passagierselektion” vor. Das soll Empörungsreflexe auslösen, löst bei mir aber nur Würgereflexe aus.

Vielleicht mal kurz zur derzeitigen Kontrollpraxis auf deutschen (und europäischen und amerikanischen) Flughäfen: Da muss etwa der Rentner, unbescholten, harmlos, tüttelig, vor dem Betreten seines Ferienfliegers nach Malle abgetastet werden, obwohl jedem klar ist, dass Mann, Fahndungsliste und Reiseziel es ziemlich unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass er in der Luft eine konspirativ beschaffte Höllenmaschine zusammensetzt und sich mitsamt seiner mitreisenden Ehefrau und dem Rest der Urlaubshungrigen in die Luft jagen wird.

Nur die politische Parallelwelt, und zwar geschlossen in allen Parteien, findet das richtig. Hält es für unzumutbar, unseren Malle-Reisenden fixer durch die Kontrolle zu schleusen und ihm sein Mundwasser im Rucksack zu gestatten, weil sie bloß niemanden diskriminieren will. Dabei wird umgekehrt ein Schuh draus in unserer Dienstleistungswelt, in der jede Organisation vorproduzierte Ansagen bereithält, in der sie wartenden oder genervten Mitbürgern für alles Mögliche Verständnis abtrotzt. Man könnte einen, sagen wir, 25-jährigen muslimischen Konvertiten, der mal einschlägige Moscheen besucht hat, um Verständnis bitten, dass er etwas genauer unter die Lupe genommen wird als der Malle-Opa, und wenn er nichts Böses im Schilde führt, sollte er damit kein Problem haben. Natürlich kann er nichts dafür, dass er denen, die Bomben werfen, ähnlicher sieht. Aber so ist es halt.

Kurios ist außerdem, dass vor gar nicht langer Zeit dieselben, die jetzt auf Herrn Blume einschlagen, ähnliche Ideen ganz gut fanden. Als nämlich die Einführung der Nacktscanner debattiert wurde und dabei geschaut wurde, wie Israel seine Flughäfen kontrolliert. Und zwar sehr erfolgreich, mit einer gänzlich anderen Herangehensweise als hierzulande, wo Koffer und Gegenstände begutachtet werden und nicht die Menschen, die damit Unsinn anstellen oder auch nicht.

Das israelische Konzept könnte auch bei uns funktionieren, sagt der israelische Sicherheitsexperte Rafi Sela, aber das sei etwas, “womit Bürokraten ein Problem haben. Sie hängen immer sehr in ihren Konzepten fest.” Wohl wahr.

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] und um nichts anderes, sollten Fluggäste in Risikogruppen eingestuft werden. Leider wurde die Debatte darüber abgewürgt, bevor sie begonnen hatte. Weil es, darf man vermuten, in Wahrheit eben nicht […]

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar zu Warum ich nichts dagegen habe, dass Frau Knobloch ohne Kontrolle ins Flugzeug steigt Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.