Ein Beispiel für typische Dummen-PR findet sich heute auf demPR-Ticker der ddp.  Sie ist als Hörfunkinterview geschrieben. Der Rollentext der “Sprecherin”, von der sich die Agentur wohl wünscht, dass Radiomoderatoren sie möglichst wörtlich so verlesen, beginnt mit “Fünf, vier, drei, zwei, eins – und ab dafür”. Das ist die Steigerung des eigentlich nicht steigerungsfähigen Standardeinstiegs in PR, der sonst gerne lautet: “Endlich ist es soweit: …” Das iPad, um dessen heutigen Verkaufsstart es geht, nennen die PR-Lyriker das “neue Apple-Wunder”. Der Chef von Gravis, der den Unsinn bezahlt, lässt sich von seiner Öffentlichkeitstruppe als das “deutsche Gesicht von Apple” anbeten, wobei auch dieser Lobpreis der “Sprecherin” zugeschrieben wird. Im Manuskript bedankt sich der Gravis-Mann dann auch brav: “Ja, ich danke Ihnen”. In einer zweiten Version dieses sogenannten Interviews beendet die Sprecherin ihren Beitrag mit dem sogenannten Ratschlag: “Also dann, schnell los, eh die iPads alle weg sind!”

Zur Erbauung habe ich die beiden Originaltexte hier eingefügt. Fünf, vier, drei, zwei, eins – und Ablachen!

Beitrag 1:

Es ist schwarz, elegant und schwer gefragt. Seitdem das iPad in den USA verkauft wird, gehen rund 200.000 Stück pro Woche über die Ladentische. Auch hier bei uns wird seit Monaten gespannt auf das neue Apple-Gerät gewartet. Seit heute (28. Mai) Morgen 8 Uhr gibt es das iPad nun endlich auch in insgesamt 27 GRAVIS-Stores in Deutschland. Dörte Bandmann berichtet!

Sprecherin: Fünf, vier drei, zwei, eins –  und ab dafür: Pünktlich um 8 Uhr öffneten die  27 deutschen GRAVIS-Stores heute ihre Türen und ließen die in der Morgenkälte wartenden Käufer endlich auf die heiß begehrten iPads los. GRAVIS-Chef Archibald Horlitz und seine Leute waren aber auf den Ansturm gut vorbereitet.

O-Ton 1 (Archibald Horlitz, 0:20 Min.): Unsere Vertriebsmitarbeiter sind speziell aufs iPad geschult worden. Wir haben reichhaltiges Zubehör vorab besorgt: Das fängt an bei Schutzhüllen, Taschen, Schutzfolien, bis hin zu spezieller Software. Ein Starterkit, das wir jedem Kunden kostenfrei zum iPad dazu geben, mit einem Einkaufsgutschein für weiteres Zubehör.

Sprecherin: Dass das iPad auch bei uns in Deutschland alle verrückt machen wird, war nach dem Run beim Verkaufsstart in Amerika schon klar. Es hat halt einfach eine magische Anziehungskraft.

O-Ton 2 (Archibald Horlitz, 0:25 Min.): Das iPad ist eine völlig neue Geräteklasse und wird den Markt der tragbaren Computersysteme revolutionieren, ähnlich wie das iPhone den Mobilfunkmarkt hier völlig umgekrempelt hat. Es hat einen tollen Bildschirm, es hat eine wunderbare Batterielebensdauer. Ein typisches Beispiel: der beste elektronische Reiseführer, den man sich vorstellen kann, inklusive Navigation – ein wirklich tragbares Multimediasystem, das ich ständig bei mir habe.

Sprecherin: Genau darauf haben wir ja nun auch lange genug gewartet. Die preiswerteste Variante mit 16 Gigabyte Speicherplatz gibts übrigens schon für 499 Euro. Wer höhere Ansprüche hat, muss aber nicht auf sein neues Kultobjekt verzichten.

O-Ton 3 (Archibald Horlitz, 0:15 Min.): Kommen Sie zu Gravis. Wir werden Sie gern entsprechend beraten. Es gibt grundsätzlich sechs verschiedene Modelle, drei davon mit UMTS, drei nur mit WLAN. Aber wenn Sie zu uns kommen, werden wir Sie entsprechend beraten und Ihnen das richtige Gerät empfehlen.

Sprecherin: Also dann: Schnell los, eh die iPads alle weg sind!

Beitrag 2:

Es ist schwarz, elegant und schwer gefragt. Seitdem das iPad in den USA verkauft wird, gehen rund 200.000 Stück pro Woche über die Ladentische. Auch hier bei uns wird seit Monaten gespannt auf das neue Apple-Gerät gewartet. Seit heute (28. Mai) Morgen 8 Uhr gibt es das iPad nun endlich auch in insgesamt 27 GRAVIS-Stores in Deutschland. Darüber sprechen wir nun mit GRAVIS-Chef Archibald Horlitz. Hallo, Herr Horlitz!

O-Ton 1 (Archibald Horlitz, 0:01 Min.): Ja, ich grüße Sie!

1. Was macht eigentlich den großen Reiz des iPad aus?

O-Ton 2 (Archibald Horlitz, 0:26 Min.): Das iPad ist eine völlig neue Geräteklasse und wird den Markt der tragbaren Computersysteme revolutionieren, ähnlich wie das iPhone den Mobilfunkmarkt hier völlig umgekrempelt hat. Ein typisches Beispiel: der beste elektronische Reiseführer, den man sich vorstellen kann, inklusive Navigation. Bis hin zu vertikalen Märkten, Einsatz als elektronische Patientenakte in einem Krankenhaus oder ein wirklich tragbares Multimediasystem, das ich ständig bei mir habe.

2.  Was kann das iPad, was andere Geräte nicht können?

O-Ton 3 (Archibald Horlitz, 0:11 Min.): Es ist wirklich tragbar, es hat einen tollen Bildschirm, es hat eine wunderbare Batterielebensdauer. Und es ist das beste portable Gerät, das ich mir vorstellen kann.

3. Alle ihre Geschäften haben heute bereits um 8 Uhr aufgemacht. Wie haben Sie sich noch auf diesen Ansturm vorbereitet?

O-Ton 4 (Archibald Horlitz, 0:21 Min.): Unsere Vertriebsmitarbeiter sind speziell aufs iPad geschult worden. Wir haben reichhaltiges Zubehör vorab besorgt: Das fängt an bei Schutzhüllen, Taschen, Schutzfolien, bis hin zu spezieller Software. Ein Starterkit, das wir jedem Kunden kostenfrei zum iPad dazu geben, mit einem Einkaufsgutschein für weiteres Zubehör.

4. Das iPad soll es in unterschiedlichen Versionen geben. Wie findet man heraus, welche Variante am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt?

O-Ton 5 (Archibald Horlitz, 0:16 Min.): Zunächst mal empfehle ich: Kommen Sie zu Gravis, wir werden Sie gern entsprechend beraten. Es gibt grundsätzlich sechs verschiedene Modelle, drei davon mit UMTS, drei nur mit WLAN. Aber wenn Sie zu uns kommen, werden wir Sie entsprechend beraten und Ihnen das richtige Gerät empfehlen.

Vielen Dank an GRAVIS-Chef Archibald Horlitz, das deutsche Gesicht von Apple.

O-Ton 6 (Archibald Horlitz, 0:01 Min.): Ja, ich danke Ihnen!

6 Kommentare
  1. oce sagte:

    Tatort “Applestore”
    Heute in irgendeinem Kaufhaus in Deutschland 10.00 Uhr Tatort “Applestore” Eine gebannte Menschenmenge drängt sich um einen Holztisch wo die neueste Insigne von Apple aufgebart ist. Der oder Das „iPad“ ja was ist es den überhaupt was die Menschenmenge so begeistert in Ekstase versetzt und gleichermaßen anhimmelt. Keiner weiß so recht, was man denn nun mit diesem Ding so richtig anfangen soll, aber „Egal“ eines steht fest BOAH is das Cool….!! Ey guck ma’ ‘n iPad” Der Marktschreier anmutende Mitarbeiter von Apple erklärt hinter seinem Stand der Menschenmenge eifrig die Vorzuge des iPad’s. (…)und wenn Sie jetzt diese Schrift lesen möchten, dann machen Sie einfach mit dem Doppelklick auf dem Bildschirm die Schrift größer und wie von Geisterhand Vergrößert sich die Schrift. Und die Menge ist außer sich vor Begeisterung. Ich kann das Gefühl nicht unterdrücken alles schon mal irgendwie gesehen zu haben und es ist wie mit der Superduper Neuen Gemüsereibe: Blade-2010 jeder hat zwar eine seit Jahren in der Schublade, aber die hier, die muss man einfach haben. Sie ist selbstverständlich eine unverzichtbare Ergänzung zum Täglichen Leben. Warum lassen sich die Menschen nur so für dumm verkaufen? Nur weil ein abgebissener Apfel drauf klebt. Jedes billige Netbook bietet mehr Möglichkeiten als das iPad darüber hinaus neigt Apple zu Proprietären Systemen somit ist das iPad mit nichts außer Apple (Kabel/ Software) selbst kompatibel. Es lebe der Konsum, weiter so…..

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    • bitterlemmer sagte:

      Sieh an… scheint dann wohl so zu sein, dass fischerappelt das Zeug an pointoflistening (schon was das für ein name ist!) zum Verteilen an die Sender weiterleitet. Auf der pointoflistening erscheint ja auch das ddp-Logo, was danach aussieht, als seien die miteinander verbandelt.

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