Verschwörungstheoretiker erkennt man an Formulierungen wie diesen:

Es ist interessant, dass…
Fragen wir, wer davon profitiert…
Man fragt sich, warum…
Ein Verdacht, der sich nicht ausräumen lässt…

All diese Formulierungen besagen: Derjenige, der da eine Theorie vertritt, hat keinen wirklichen Schimmer und keine Fakten, denn sonst würde er die einfach nennen. Und damit zur Türkei, zu Erdogan und zu dem Journalisten Hajo Schumacher.

Hat Erdogan den Putsch am letzten Wochenende inszeniert? Die Antwort auf diese Frage ist bis in seriöse Medien hinein hier und da ein jedenfalls angedeutetes ja. Das Problem: Sollte sich herausstellen, dass es doch nicht so war, müssten die Betreffenden sich korrigieren und sich damit gegen einen Strom der öffentlichen Meinung stellen, den sie selber befördert haben. Blöd. Man korrigiert sich nur ungern. Die Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, laut der Erdogan selber nur knapp davonkam, findet wohl genau darum in deutschen Medien nach meinem Geschmack zu wenig Resonanz. Man fragt sich, warum sie nicht größer läuft.

Empfehlen möchte ich dagegen einen als FAQ gekleideten Plausibilitätscheck, den der Büroleiter der dpa in Istanbul, Can Merey, verfasst hat. Er fragt: Warum sollte Erdogan so wahnsinnig sein, ein solches Risiko einzugehen, wenn er doch sowieso dabei war, die Macht bei sich zu konzentrieren? Und das war er, daran zweifelt ja auch niemand. Da erscheint auch mir plausibler, dass er einfach zu gut vernetzt war und die Putschisten es nicht schafften, ihre Putschpläne lange genug geheim zu halten.

An dieser Stelle möchte ich auf Hajo Schumacher zu sprechen kommen und auf seinen Tweet zu dem anderen großen Wochenend-Thema, dem Anschlag von Nizza. Schumacher stört sich aus heiterem Himmel daran, dass die (übrigens durchwegs zutreffenden) Eilmeldungen über den Anschlag einen „Werther-Effekt“ auslösen könnten, sprich, dass also die Leute plötzlich alle mit Lastwagen in Menschenmengen rasen, weil sie das ja gerade so in Eilmeldungen hörten und in Internetvideos sehen konnten.

Auf diese Idee der Selbstkastration von Medien ist bisher noch niemand gekommen. Derartiges wäre auch eine grandiose Einladung an Verschwörungstheoretiker (Es ist interessant, dass die Medien erst zwei Tage nach dem Lastwagenanschlag von Nizza die erste Meldung brachten…). Vielleicht lässt sich dieser Beitrag nur mit der berühmten Frage nach dem Sein und dem Bewusstsein klären. Hajo Schumacher hat in letzter Zeit möglicherweise zu viel Zeit mit Justizminister Heiko Maas verbracht. Schreibt er gerade an einer Biografie über Maas? Authorisierte Politikerbiografien gehören ja zu seinem Geschäftsmodell. Das sollte man wissen, denn es klärt Interessenslagen. Fragen wir, wer davon profitiert.

Sie können die Frage natürlich auch gern beantworten, Herr Schumacher.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.