Was denn nun – leiden wir unter steigenden Preisen, so dass der Staat sie gesetzlich begrenzen muss wie mit der sogenannten Mietpreisbremse oder leiden wir an einer Deflation, die der Staat mit massivem Gelddrucken bekämpfen muss, wie es die EZB mit dem Billionen-Ankauf von Staatsanleihen tut? Derzeit gilt für staatliche Stellen beides gleichzeitig. Der Staat bekämpft einerseits den Anstieg der Preise und sorgt andererseits dafür, dass die Preise stärker steigen. Schon kurios, wenn man einen ganzen Tag lang im Radio Nachrichten hört, in denen beides nacheinander gemeldet wird und offenbar niemand einen Zusammenhang bemerkt.

Was haben wir also – Deflation oder Inflation oder womöglich nichts davon? Und dann müsste man wohl auch fragen, ob wir den kompletten Euroraum betrachten oder nur Deutschland, denn die Dinge liegen in jedem Land sehr unterschiedlich. Das wiederum führt zu der Frage, ob die Rezepte der EZB für jedes Land gleichermaßen taugen oder womöglich dem einen nutzen und dem anderen schaden.

In Deutschland gibt es jedenfalls nach Ansicht der meisten Ökonomen keine Deflation und es droht auch keine. Zwar sind tatsächlich in den letzten Monaten einige Preise geschrumpft, aber das lag an den sinkenden Energiekosten. Die wiederum haben ihre Ursache nicht in irgendwelchen strukturellen Problemen, sondern darin, dass die USA per Fracking die weltweite Ölproduktion hochgefahren haben. Höheres Angebot, niedrigere Preise – die uralte ökonomische Binsenwahrheit.

Dafür sind andere Preise teils drastisch gestiegen, und zwar aus strukturellen Gründen. Dazu zählen vor allem Immobilien in starken Lagen. Wohnen wird tatsächlich teurer, und zwar vor allem da, wo es eh schon teuer ist. Das liegt wiederum daran, dass dort die Wirtschaft am stärksten brummt, wie in München und Oberbayern. Wer da eine Wohnung sucht hat eine echte Herausforderung zu bewältigen. Ich hatte selber gerade das Vergnügen. Ein paar Mal bekam ich E-Mails von Maklern, in denen sie mir mitteilten, ich könne die ausgeschriebene Wohnung gar nicht erst besichtigen, weil der Andrang zu groß sei und die Anzahl der Bewerber bereits ausreiche. Ein anderes Mal habe ich ein finsteres Loch mit abenteuerlichen Badfliesen gesehen, das in der Nähe eines Klärwerks gebaut war. Für 70 Quadratmeter wollte der Vermieter 700 Euro haben – wir sprechen übrigens von einer ländlichen Kleinstadtlage.

Spaßig fand ich dann auch noch, wie unreflektiert manche Berichterstatter die Begründungen der EZB für ihr Staatsanleihen-Kaufprogramm nachquatschten. Der Radiokorrespondent der ARD in Brüssel machte sich die Argumentation zu eigen, die EZB steigere damit „Investitionen und Konsum“. So so, dachte ich mir, da wird ausgerechnet auf derselben Welle der Konsum als heilsam gepriesen, auf der in anderen Zusammenhängen gerade das Gegenteil gepredigt und viel von Wachstumsgrenzen, Tauschökonomie und anderen Sanftheiten geredet wird.

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