Niemand zweifelte auch nur eine Sekunde, bis auf die Schiedsrichter, die dem englischen Team ihr rechtmäßiges zweites Tor gegen Deutschland verweigerten. Die deutschen Nachrichtenseiten beschäftigten sich ausführlich mit dieser krassen Fehlleistung (“Rache für Wembley“). Erstaunlich dagegen sind die Reaktionen der britischen Presse, die ja eigentlich eher für klare Kante bekannt ist. Die Daily Mail titelt: “Well, immerhin scheint die Sonne! England erleidet eine WM-Demütigung von den Erzrivalen aus Deutschland (mit VIEL Unterstützung des Schiedsrichters aus Uruguay)”. Die Sun zitiert einen Fan mit den Worten: “Die Engländer waren halt nicht gut genug”. Und eine Friseurin namens Lucy Daley sagte: “Die Deutschen haben fair und klar gewonnen”. Wow! Briten und Deutsche, wir mögen uns irgendwie halt doch.

Nicht so fair war die Vorstellung der ARD. Dort präsentierte sich wieder Günther Netzer als angeblich neutraler Kommentator. Darauf angesprochen, dass es nun ja vielleicht doch Zeit werde, solche Fehlpfiffe per Kamerabeweis auszuschließen, verteidigte er in gewohnter Funktionärsmanier die unsichere Willkürentscheidung, die kurioserweise allerorten immer Tatsachenbeweis genannt wird, obwohl es sich um das glatte Gegenteil eines solchen handelt. Der Fußball lebe schließlich von Emotionen, sagte Netzer, und Diskussionen wie die über das Wembley-Tor 1966 würden über Jahrzehnte hinweg für Gesprächsstoff sorgen. So sei das eben beim Fußball.

Eben das ist auch die unbegreifliche Haltung der Fifa-Chefs, zu deren Küchenkabinett Netzer ja gehört. Der Mann, den der öffentlich-rechtliche Gebührensender da immer als Fußball-Analytiker beschäftigt, betreibt ja in Wahrheit Lobby in eigener Sache. Bei seinen ARD-Auftritten tarnt er sich nur als Analytiker, fungiert aber tatsächlich als PR-Verkäufer des Verbandes. Er ist Miteigentümer der Firma, die die Fernsehbilder der WM an die Sender verkauft, die auch die ARD aus GEZ-Gebühren bezahlt. Sein Geschäftsführer ist der Neffe von Fifa-Oberboss Sepp Blatter, sein Vertragspartner die Fifa höchstselbst. Größer kann ein Interessenskonflikt wohl nicht sein.

Tatsächlich ist es eine ziemliche Verarschung, dass die Fifa einerseits viele schöne Regeln aufstellt, andererseits aber darauf pfeift, sie wirklich anzuwenden. Netzers Worte besagen nichts anderes, als dass ein Tor nur dann ein Tor ist, wenn der Fifa-Referee ein Tor gibt und dass es zweitrangig ist, ob der Ball nun drin war oder nicht. Ob bei einem Foul die Karte gezogen wird oder nur ein Freispruch gegeben, das mag ja gern im Ermessen des Schiedsrichters liegen. Aber wenn der Ball hinter der Linie aufprallt, dann ist die Sache eindeutig. Außer, es gibt eine verdeckte Tagesordnung, über die Netzer und Blatter lieber nicht öffentlich sprechen.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.