Anfang November schockte eine Nachricht das Land. 11.000 Klimaforscher aus der ganzen Welt warnten vor einem Klima-Notstand, hieß es. Den Menschen würden schlimmste Katastrophen drohen. Einen ganzen Tag lang trommelten die öffentlich-rechtlichen Sender diese Behauptung als Aufmacher durch ihre Nachrichten. Natürlich stieg auch die Tagesschau darauf ein (siehe hier).

Eingebracht hatte das Thema wohl die dpa (Deutsche Presse-Agentur). Auch mehr oder weniger alle Zeitungen und Nachrichtenportale brachten die Meldung von den 11.000 Klimaforschern.

Die öffentlich-rechtliche Deutsche Welle toppte das ganze noch und garnierte die Fakenews mit wichtig aussehenden Bildern von Staatschefs. Einer ihrer Redakteure durfte sich interviewen lassen, als sei er ein ins Studio eingeladener Wissenschaftler.

Nur leider: Das alles war kompletter Fake.

Gegenstand dessen, was alle Medien da verbreiteten, war ein Meinungsartikel auf einem Server der Oregon State University mit ein paar Grafiken, die auf maximales Manipulationslevel überzeichnet sind. Zum Original-Dokument hier klicken.

Wer sich berufen fühlte, konnte dieses Papier online unterzeichnen und sich damit auf die Unterzeichnerliste setzen. Zur Seite mit dem Sign-Button hier klicken. Das konnte tatsächlich jeder. Einfach so.

Mittlerweile ist die Unterschreiben-Funktion allerdings abgeschaltet. Sie war auch keine Funktion im wirklichen Sinne. Da stand einfach nur ein Formular, in das man sich eintragen konnte, und fertig. Niemand hat überprüft, ob der Betreffende ein Wissenschaftler ist, schon gar ein Klimaforscher, wie die deutschen Medien nach wie vor behaupten.

Und so fand sich auf der Liste eben auch Micki Maus. Oder ein Trump-Fan aus Kanada, der sich einen Scherz erlaubte. Oder diverse esoterische Heiler. Oder sozial gesinnte Nichtakademiker. Absolut sehenswert dazu: Ezra Levant, kanadischer TV-Talker, der der ganzen Chose komplett die Luft abließ.

Offenbar haben die Initiatoren des Klima-Fakenotstands inzwischen eingesehen, dass sie jedenfalls in der angelsächsischen Welt gescheitert sind. Auf ihrer Website gibt es auch einen Button, der vermeintlich zur Unterzeichner-Liste führt – tatsächlich aber nur auf eine Seite mit einer Fehlermeldung führt. „Die Einsicht in die Liste der Unterzeichner ist derzeit nicht möglich, wir arbeiten an dem Problem“, steht da. Wer es im Original sehen will – hier klicken.

Damit zurück nach Medien-Deutschland. Wann, liebe Kollegen, informiert Ihr Eure Leser, Hörer und Zuschauer darüber, dass ihr Ihnen komplette Fakenews vorgesetzt habt? Oder ist die in Sonntagsreden viel beschworene Fehlerkultur doch noch nicht so weit, wir manche das immer behaupten?

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