Die lokale Politik im Landkreis Rosenheim hat durchaus etwas mit dem Horn von Afrika zu tun. Deshalb nämlich, weil wir die Kriegsherren und politischen Gangster am Horn von Afrika (ebenso wie bislang die IS-Verbrecher oder die Boko-Haram-Menschenschlächter) einfach machen lassen (und mehr als das), und da dürfen wir uns dann auch nicht wundern, wenn immer mehr Flüchtlinge aus dieser afrikanischen Region zu uns kommen und wir das jetzt auch in der alpenländischen Provinz mitbekommen. Da, wo die Gesetzlosen ohne Widerstand aufmarschieren, da vertreiben sie die  Gesetzestreuen und die, die sich eine Perspektive für ihr Leben wünschen. In diesem Sinne sind wir selber schuld an der Flüchtlingsproblematik. Wir ignorieren, dass die Welt kleiner geworden ist. Aber die Welt ignoriert uns nicht.

Denn die Flüchtlinge, die das Rosenheimer Radio Charivari etwas unglücklich als „Flut“ bezeichnet, das sind überwiegend Somalier. Man mag sie als „Illegale“ bezeichnen, wie es der Radiosender tut (das tun Politiker, Behörden und andere auch), aber als illegal würde ich eher die Herrscher bezeichnen, vor denen die Betreffenden flohen.

Kennt übrigens jemand den Unterschied zwischen Somalia und Somaliland? Klingt ähnlich, liegt auch geographisch dicht beieinander und ist doch sehr unterschiedlich. Das eine, Somalia, ist ein ehemaliger Staat, der in eine islamistische Anarchie zerfiel. Dort herrschen Qaida-nahe Banden, bewaffnet und unterstützt vermutlich von den üblichen Verdächtigen (vermutlich auch aus dem Umfeld von Katar und Saudi Arabien). Geld machen sie mit Schiffspiraterie. Ihren Frauen zerschneiden sie die Genitalien, und auch sonst sitzen die Waffen locker. Das andere, Somaliland, war mal eine Provinz von Somalia, die sich vor einiger Zeit als Staat selbständig gemacht hat und in der die Menschen in halbwegs geordneten Verhältnissen leben.

Wer will kann in Somaliland sogar Tauchurlaub machen. Tauchgänge dort sind bestimmt ein Erlebnis. Es soll dort alles an tropischer Unterwasservielfalt geben – große Riffe mit dem ganzen Artenreichtum, den tropische Meere zu bieten haben. Hier dürfte man auf ziemlich unberührte Tauchgründe stoßen, wenn man es nur irgendwie schafft, die Anreise zu bewältigen. Ist man erstmal da, hilft diese Adresse vielleicht weiter, die ich gerade gegoogelt habe:

http://www.somalilandsun.com/index.php/sports/3379-somaliland-scuba-diving-berbera-coast

Sie führt zu einer Tauchbasis in Somaliland. Was lernen wir daraus? Dass es in Somaliland Menschen geben muss, die tatsächlich glauben, dass Tourismus auf Dauer ein besseres Geschäft sein könnte als Piraterie. Und dass diese Menschen ein Gefühl für die Dimensionen unserer Welt besitzen, das hierzulande scheinbar fehlt, dass nämlich unsere Länder so oder so miteinander zu tun haben.

Wenn wir wollen, dass die Tauchbasis in Somaliland floriert und womöglich noch ein paar in Somalia hinzukommen, dann werden wir uns überlegen müssen, ob wir die Verbrecher in Somalia weiter ungestört weitermachen lassen. Wir könnten uns überlegen, ob es besser ist, ständig im Stillen ein paar Millionen für die Freilassung von Piraterieopfern an Gangster zu bezahlen oder viele Millionen, die ehrliche Touristen an ehrliche Tauchguides und Hoteliers bezahlen. Vorher müssten wir den Ehrlichen vermutlich helfen, die Verbrecher zu vertreiben, was ohne Waffen wohl nicht ginge. Vermutlich würde es schon genügen, den Ehrlichen genügend Waffen zu beschaffen.

Dann hätten sie die Möglichkeit, sich ihr Land von den Gangstern zurückzuholen. Und eine eigene Wirtschaft aufzubauen. Eigenes Geld zu verdienen. Uns ihre Küste und ihre Tauchspots zu zeigen. Es käme dann vermutlich niemand mehr auf die Idee, aus einem solchen Land zu flüchten. Eher schon dürfte sich der eine oder andere Deutsche überlegen, ob er dem Regen statt nach Mallorca nach dem arabischen Meer entflieht, nicht weit entfernt übrigens von einem Traumziel wie den Seychellen.

Foto: Strand von Berbera in Somaliland von Mo O’Hussein (http://www.panoramio.com/user/6579009)

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