Die deutsche Linke hat ein neues Thema: Die gigantischen Spendenpläne der amerikanischen Superreichen. Die grüne Parteichefin Claudia Roth fordert deutsche Superreiche auf, ihren US-Genossen nachzueifern, und auch SPD-Fraktionsvize Joachim Poß findet diese Idee toll, sagt freilich aber gleich dazu, dass Vater Staat den Reichen so oder so auch zwangsweise mehr abknöpfen will, wenn denn eine Linke dereinst wieder die Geschickte des Landes führen sollte. Fehlt bloß noch eine Wortspende aus der Linkspartei, die beim Thema Reichtum ja hoch kompetent ist. Schließlich warb ihr Oberguru Klaus Gysi mit dem irren Slogan “Reichtum für alle”, den Parteichef Klaus Ernst für sich ernst nahm, wobei mich übrigens interessiert, wie viel Geld ein IG-Metall-Funktionär eigentlich zugesteckt bekommt, wenn denn die 17.000 Euro monatlich, die Ernst jetzt “verdient”, eine Verschlechterung zu seiner früheren Betätigung bedeuten sollen.

Der Charme am Vorstoß der US-Superreichen liegt ja darin, dass sie zum einen wirklich super reich sind und zum zweiten freiwillig etwas abgeben wollen. Sie sind dermaßen superreich, dass wir in Deutschland so gar nicht wissen, wie wir das finden sollen, dass jemand so dermaßen superreich werden kann. Wir hier in Deutschland hegen ja eher den Verdacht, dass jemand, der so super reich ist, auch super kriminell veranlagt sein muss, vor allem als US-Amerikaner, ein Land, von dem wir nach Jahrzehnten öffentlich-rechtlicher Gehirnwäsche ja glauben, dort werde jeder, der nicht bei drei den Colt gezogen hat, ausgeraubt oder abgezockt. Gerade ein Mann wie Warren Buffett müsste eigentlich misstrauisch beäugt werden, denn Buffett hat sein Vermögen ja klassisch als Spekulant gemacht, und sein Spendenversprechen hat natürlich auch einen Hasenfuß: Die 99 Prozent seines verbliebenen Vermögens (eine Hälfte schenkte er schon der Stiftung von Bill Gates) werden eben erst mit seinem Tod fällig.

Praktischerweise ist das natürlich egal, weil Buffet schon sehr alt ist und die Welt die paar Jahre problemlos abwarten kann, bis sie sein Geld erbt. Damit könnte die Debatte eigentlich beendet sein, wäre die linke deutsche Politik nicht so besitzergreifend und schreckschraubenhaft. In den USA, wo Reichtum nicht unbedingt als Makel gilt, sondern zunächst als Erfolg, haben die Superreichen ihr Recht in Anspruch genommen, souverän über ihr Eigentum zu verfügen, in diesem Fall in dem Sinn, dass es zu einem wesentlichen Teil gemeinnützig gespendet werden soll. In Deutschland, dem Land, in dem der Staat von der Wiege bis zur Bahre alles regelt, die Medien ebenso wie die Bauern oder das Gesundheitswesen, fürchten sie sich ja vor privater Macht. Hier genügt es bekanntlich, zu sagen, jemand verfolge kommerzielle Interessen, um ihn damit im selben Augenblick bereits öffentlich besudelt zu haben. Und darum kann eine Claudia Roth natürlich nicht abwarten, ob deutsche Reiche freiwillig ihr Geld verschenken möchten oder nicht, sondern sie muss es sofort fordern, weil sie nicht zusehen kann, dass ein Reicher allein entscheidet, was er mit seinem Vermögen anstellt. Die Geste der freiwilligen Großzügigkeit erträgt sie einfach nicht, ebenso wenig wohl die Freiwilligkeit überhaupt.

Das ist freilich einer der fundamentalen gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA.

2 Kommentare
  1. Matthias sagte:

    “Die Geste der freiwilligen Großzügigkeit erträgt sie einfach nicht, ebenso wenig wohl die Freiwilligkeit überhaupt.”

    Schön formuliert!
    Schätze zwar Frau Roth und die Grünen generell sehr, zumindest deutlich mehr als die anderen Parteien ;-), aber von diesem unüberlegten Vorstoss war ich jetzt nicht so richtig begeistert. Nichts zu sagen, wäre hier wohl besser gewesen. Oder selbst etwas spenden und die eigenen Bemühungen verkünden. Spendet Frau Roth eigentlich regelmäßig und vor allem für was? Freue mich über Infos, wenn jemand was weiss! VG, Matze

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  1. […] De Lisle, die ich kenne und mag, verzeifelte. Es ging um die hierzulande schwer umstrittenen Großspenden von Warren Buffett, Bill Gates und anderen US-Milliardären. Die Sendung kippte, als Koks die […]

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