Vor ein paar Tagen wurde ich Besitzer eines 500-Euro-Scheins. Das geschah auf legale Weise, man muss das heutzutage ja dazusagen. Ich habe festgestellt, dass mich jeder, bei dem ich versuchte, ihn fürs Bezahlen zu verwenden, misstrauisch angeguckt hat. Bei Tankstellen kennt man das ja inzwischen, die hängen ja sogar Anschläge aus, dass sie keine Fünfhunderter  (und manchmal nicht mal Zweihunderter) akzeptieren – was ein Unding ist, denn es sind gesetzliche Zahlungsmittel. Richtig platt war ich allerdings, als eine Bank sich weigerte, mir den Schein zu wechseln – mit einer empörenden Begründung.

Der Reihe nach.

Zuerst versuchte ich es bei einem umsatzstarken Supermarkt. Die Kassiererin sagte nein, weil sie nicht genug Wechselgeld in ihrer Kasse habe. Danach versuchte ich es bei einem weiteren umsatzstarken Supermarkt. Die Kassiererin fragte so lange, ob ich es nicht anders habe, bis ich meine Kontokarte zog.

Als drittes versuchte ich es bei einem (ebenfalls umsatzstarken) Obst- und Gemüsestand. Freitags, wenn ich das Kind habe, schlage ich da gern zu und lasse gut und gern 20 bis 30 Euro springen, in diesem Fall für einen Salatkopf, Erdbeeren, eine Flugmango, sizilianische Strauchtomaten (das sind definitiv die besten!) und ein paar Karotten. Als ich den Fünfhunderter aus dem Portemonnaie reichte, da nützte mir nicht einmal die Tochter auf dem Arm. Die Obstfrau war furchtbar verlegen, weil sie nicht wusste, wie sie mir höflich sagen könnte, dass sie den großen Schein auf keinen Fall will, so dass ich die kleinen Scheine auskehrte, was gerade so reichte.

Anschließend ging ich in die nächste Bankfiliale, es war eine der Volksbank. Am Schalter reichte ich der Bankangestellten den Schein und bat, ihn in kleine Scheine zu wechseln. Sie nahm ihn aber nicht, sondern fragte zurück, ob ich in dieser Filiale ein Konto habe. Ich sagte nein und fügte hinzu, ich wolle ja nur einen Schein tauschen. Die Bankfrau antwortete, das dürfe sie nicht wegen des Geldwäschegesetzes. Ich fragte zurück, ob sie mich verdächtige, Geld zu waschen. Sie sagte nein, aber es gebe eine Anweisung in ihrer Bank, an die sie sich halten müsse. Diese Anweisung hätte ich gern gesehen, aber sie war leider gerade nicht auffindbar. Dann kam eine Kollegin dazu und erklärte mir, beim Fünhunderter müsse die Bank die Personalien des Besitzers notieren. Bei Filialkunden sei die schon bekannt und bei Nichtkunden sei das zu aufwendig. Ich dachte, ich platze und verließ die Bank mit meinem Schein.

Als nächstes ging ich zu einer Postfiliale. Der Schalterbeamte nahm den Fünfhunderter kommentarlos an und legte ihn in sein Kassengerät. Das Kassengerät verschluckte ihn und spuckte wunschgemäß drei Hunderter und vier Fünfziger aus. Die gab er mir. Ich war nach der Volksbank-Erfahrung ein bisschen geplättet und fragte, ob er einfach so einen Fünhunderter wechseln dürfe. „Ich mach’s einfach“, gab er zurück.

Damit war er mein Held des Tages, einer, der noch nicht den vorauseilenden Gehorsam pflegt und sich ohne Not staatliche Bürgerverachtung zueigen macht. Die Damen der Volksbank, möglicherweise ihre Vorgesetzten und die diversen Verkäuferinnen sind dagegen keine Heldinnen. Es muss ja auch nicht jederman ein Held sein, aber am Heldenmut erkennt man, was schiefläuft. In diesem Fall: Der von Staatsseite gepflegte Generalverdacht gegen jeden, der es wagt, eine anonyme Geldausgabe zu tätigen, die über einen Bagatellbetrag hinausgeht.

Dieser Generalverdacht wurde über Jahre in die Hirne der Bundesbürger geimpft. Höchst beliebt dabei immer wieder Behauptungen wie die, der Fünfhunderter werde eigentlich nur in kriminellen Milieus verwendet. Ich habe in all den Jahren noch nie einen nachvollziehbaren Beleg für diese Behauptung gelesen, aber die stetige Wiederholung genügt wohl, um jeden, der kein Held ist, in Verlegenheit zu bringen, konfrontiert man ihn mit diesem Schein. Und selbst, wenn es so wäre: Im Einzelfall muss man ja wohl immer noch die Schuld beweisen und nicht die Unschuld.

Ich glaube übrigens, hier geht es um dieselbe menschliche Schwäche, die Diktaturen erst ermöglicht. Nichthelden gehorchen, ohne nachzufragen, weil sie ängstlich sind und bloß nichts verkehr machen wollen. Solche Leute braucht die Diktatur und sie schwächen die Demokratie.

1 Antwort
  1. heinz baeker sagte:

    Wenn ein Staat seinen Bürgern klar macht, dass er seine Telefonate abhören kann, wird er am Telefon auch mit seinen besten Freunden nicht mehr offen sprechen. Wenn ein Staat seinen Bürgern immer wieder klar macht, dass es ihm möglich ist seine mails zu lesen, wird er nicht mehr schreiben. Der Bürger wird beginnen seine Worte von Selektoren zu befreien, um ja nicht in einen falschen Verdacht zu geraten. Und wenn ein 500ter ein Selektor geworden ist, wird er sich in das Schicksal der Pay-back-punkte begeben. Habe ja nichts zu verbergen. Aber wozu dann Überwachung ? Ausserdem woher weiss ich, dass nicht morgen aus Staatsschutzgründen verboten ist was heute rechtmäßig ist ?
    Irgendwann wird auch niemand mehr einen solchen Kommentar schreiben, wenn er einen Namen und eine mailadresse angeben soll. Oder warum schreibst Du jetzt nicht ?

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