Ich weiß, es ist nicht besonders modern, die DDR einen Verbrecherstaat zu nennen. Sie hat zwar Leute ermordet, eingesperrt, entführt, Eltern aus politischen Gründen die Kinder weggenommen und verdienten Genossen zur Adoption angedient, andere Kinder politisch zuverlässigen Vergewaltigern als Sexsklaven geschenkt, außerdem die Umwelt vergiftet, sogenannte Militärberater zum Morden nach Afrika geschickt, RAF-Verbrecher bewaffnet, versteckt und ausgebildet, jeden eingesperrt, der falsche Meinungen äußerte, oppositionelle Zeitungen und Mobiltelefone strengstens verboten, das ganze Land mit ihrem abartigen Stasi-Spitzelsystem überzogen und noch manches mehr – aber solch würdeloser Umgang mit Menschen wird ja heutzutage nicht so schlimm gefunden, wenn nur beste Absichten dahinterstecken. Und weil die DDR links-rot war und nicht rechts-braun, war das alles natürlich gut gemeint und folglich nicht so schlimm.

Jetzt kommt Oberkommunistin Gesine Lötsch und tut dasselbe, das damals die DDR getan hat, um die lästige gesamtdeutsche Nazi-Vergangenheit loszuwerden. Die DDR hat ja zu keinem Zeitpunkt die NS-Zeit wirklich aufgearbeitet und die den ostdeutschen Bevölkerungsteil betreffende historische Verantwortung zum Thema gemacht. Vielmehr hat ihre führende Kraft sich simpel zum ersten Opfer der Nazis erklärt – und gut war’s. Als Nazi-Opfer durfte die SED dann auch gleich wieder gegen die Juden hetzen, nur, dass das diesmal nicht Antisemitismus genannt wurde, sondern Antizionismus, so, wie es diese Partei, die jetzt Die Linke heißt, bis heute treibt. Obergenossin Gesine Lötsch führt jetzt vor, dass sie die Instant-Nazi-Aufarbeitungsmethode von damals gut verstanden hat. Ein Satz – und dann soll es gleich weitergehen, als sei nichts gewesen. Dieser Satz lautet so:

„Der Kommunismus an sich ist doch eine uralte Idee, die die Sehnsucht nach einer gerechten Gesellschaft ausdrückt. Alles, was wir im vergangenen Jahrhundert erlebt haben, hatte nichts mit Kommunismus zu tun, das war Stalinismus oder real existierender Sozialismus.“

Wie schön, dass die Angelegenheit damit erledigt wäre. Gleich die alten Verbrecherkumpel wieder in die Arme geschlossen, etwa Inge Viett, verurteilt, weil sie Spießgesellen aus dem Gefängnis befreite und einen französischen Polizisten zum Krüppel schoss. Gemeinsam auf dem Podium über die Wege zum Kommunismus nachdenken, dieser ach so tollen Idee, die nur leider nie korrekt umgesetzt wurde, weder in Maos Mörderstaat, Pol Pots Mörderstaat, Stalins Mörderstaat, Ceaucescus Mörderstaat, Titos Mörderstaat oder einem anderen Verbrecherstaat, der sich kommunistisch nannte. Das wäre, als würden Nazis sagen, dass Hitler ja keinen echten Nationalsozialismus getrieben hätte, also Schwamm drüber, und noch mal von vorn das Ganze.

Dass es einen Bodensatz unbelehrbarer Politik-Verbrecher gibt, ist in einer freien Gesellschaft nicht zu vermeiden und eigentlich gut zu verkraften. Bedenklich ist allerdings das Verständnis vieler Medien, vor allem der öffentlich-rechtlichen Sender und der SPD-nahen Presse, für die angeblich so hehren Ziele der Linken.

Wie wäre es, die guten Absichten etwas weniger wichtig und die historischen Taten etwas wichtiger zu nehmen?

5 Kommentare
  1. Hans-Georg Stoll sagte:

    Schön und gut was Sie über die verblichene DDR schreiben. Nur bei genauerem Hinsehen findet man genau die selben Dinge bei Diktaturen die vom Westen alimentiert wurden und heute noch aus wirtschaftlichen Gründen werden.

    Mal ei paar Beispiele: Söldner und Militärberater hat der Westen auch zuhauf nach Afrika geschickt,Wegnahme von Kindern war in prowestlichen Diktaturen Lateinamerikas auch gang und gäbe.

    Ebendso gehörte und gehört Umweltzerstörung in Ländern der Dritten Welt auch zum Alltag,als „Nebenerscheinung“ der Ausbeutung durch multinationale Konzerne.

    Mit einigen der von Ihnen erwähnten Mörder(Caucescu,Tito,Pol Pot) war der Westen genau wie mit Saddam Hussein dick Freund,solange sie den Interessen des Westens genutzt haben.

    Pol Pot wurde nach seinem Sturz 1979 von der Mehrheit der westlichen Länder einschließlich Israels als „legitimer“Vertreter der Kambodschaner betrachtet.

    Obwohl der Massenmord hinlänglich bekannt war.

    Solange der Westen Menschenrechte nur unter dem Aspekt wirtschaftlicher Interessen und politischem Wohlverhaltens sieht und zwischen „guten“dem Westen gehorchenden und „schlechten“ihm nicht gehorchenden Diktaturen unterscheidet haftet jeder Menschenrechtsrethorik der Hauch der Scheinheiligkeit an.

    Genauso sieht es mit der Vergangenheitsbewältigung aus,auch der Westen ist für Menschenrechtsverletzungen und Völkermord(Indonesien 1965) mitverantwortlich.

    In seinem Siegesrausch blendet er das aber aus und zeigt nur auf den ehemaligen Gegner des Kalten Krieges.

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    • bitterlemmer sagte:

      Ja. Und nu? So weitermachen? Was soll das Hin- und Hergezeige mit dem Finger jetzt bewirken? Soll ich die Kommunisten jetzt toll finden, nur, weil Suharto auch brutal war? Und mit wem diskutierst Du jetzt? Meinst Du vielleicht, weil ich für westliche Freiheitswerte bin müsstest Du mich in Sippenhaftung für Suharto und Co nehmen? Und wärst Du evtl. bereit/in der Lage, zur Kenntnis zu nehmen, dass der Anteil der Indonesier, die Suharto überlebt haben, bedeutend größer ist als der Anteil der Kambodschaner, die Pol Pot überlebten?

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    • Fritzsche sagte:

      Diese Bewertung ist o.k. Ich bin (mit Einschränkungen) der gleichen Meinung. Für mich ist das geheime Zusatzprotokoll zum Hitler – Stalin pakt bezeichnend.
      Andreas Fritzsche

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