Bei den GrĂŒnen gab es in den achtziger Jahren eine “AG Schwule und PĂ€derasten”. Zur Ehrenrettung der Schwulen muss man dazusagen, dass nicht sie es waren, die die Kifis (frĂŒherer Redaktions-Jargon fĂŒr PĂ€derasten) als Mitstreiter umwarben, sondern dass es die Kifis waren, die sich an die Schwulen heranwanzten. Das taten sie ĂŒberall dort, wo sie den Typus des Schwulenpolitikers fanden, der sich vom schwulen Politiker dahingehend unterscheidet, als der schwule Politiker ein gewöhnlicher Politiker mit schwulem Privatleben ist, wĂ€hrend der Schwulenpolitiker seine Neigung fĂŒr politisch hĂ€lt. Schwulenpolitiker fanden sich besonders zahlreich bei den GrĂŒnen und bei der damaligen Jugendorganisation der FDP, den Jungdemokraten (Judos).

Ich schreibe das deshalb, weil einige GrĂŒnen-AnhĂ€nger neuerdings gern auf die FDP zeigen und versuchen, das Problem ihrer Partei mit den Kifis dadurch zu lindern, indem sie einen Teil der Last anderswo aufladen. TatsĂ€chlich waren die Judos dem links-sozialistischen FlĂŒgel der GrĂŒnen ziemlich Ă€hnlich. Sie waren konsequent marxistisch-sozialistisch, wurden, wie schon damals von ihren bĂŒrgerlichen Gegnern vermutet, von DDR-Stellen unterstĂŒtzt und begrĂŒndeten ihr Eintreten fĂŒr sogenannte freie Liebe zwischen allem und jedem mit ihrer angeblich libertĂ€ren Grundhaltung. Die Judos nannten sich selber “radikalliberal”. In Theoriepapieren verfochten sie die von ihnen so genannte “Zwei-Wege-Strategie”, die darin bestehen sollte, das System zu unterwandern, um es dann von innen auszuhöhlen. Diese Strategie vertraten damals auch Jungsozialisten und die ersten VorlĂ€ufer der GrĂŒnen etwa beim SDS. Es war der Gedanke, der zum “Marsch durch die Institutionen” fĂŒhrte, im Fall der Jungdemokraten durch die Parteiinstitutionen der FDP. Es war der Aufbruch derjenigen, die das Private fĂŒr politisch und das Politische fĂŒr privat erklĂ€rten. Sozialismus und Sex gehörten fĂŒr die Bewegung zusammen.

Kurioserweise war es dann ein schwuler Politiker, der maßgeblich daran beteiligt war, die Schwulenpolitiker aus der FDP zu vertreiben  – nĂ€mlich Guido Westerwelle. Westerwelle gehörte zu den GrĂŒndern der bĂŒrgerlich eingestellten Jungen Liberalen. Die waren damals in der FDP gar nicht gern gesehen, denn das Partei-Establishment war links, was in der FDP-Terminologie “sozialliberal” genannt wurde. Wer damals neu in die Partei eintrat, dem konnte es passieren, dass er von den VorstĂ€nden seines Ortsverbandes erstmal grĂŒndlich nach seiner Kenntnis und seiner Linientreue zum Freiburger Programm befragt wurde, das die Grundlage fĂŒr den Linksschwenk der Partei war. Die Riege der Judo-UnterstĂŒtzer reichte von den einstigen Bundesinnenministern Gerhard Rudolf Baum und Burkhard Hirsch bis zum Berufsjugendlichen und Stasi-Spitzel William Borm, der viele Jahre im Bundesvorstand der Liberalen saß. Auf der anderen Seite fanden sich Marktliberale wie Otto Graf Lambsdorff, der ĂŒber die Judos sagte, sie seien wie ein Flohzirkus, nur nicht so lustig. Zwischendrin eierte der Bundesvorsitzende Hans Dietrich Genscher, fĂŒr den  zu jeder Zeit seiner politischen Karriere nur taktische Machtfragen existierten. Dass es so etwas wie ein moralischer Bankrott war, eine offen pĂ€derasten-freundliche Jugendorganisation in den eigenen Reihen zu dulden, war ihm offensichtlich völlig egal.

Am Ende hatte sich die FDP auch nicht dazu durchgerungen, die Judos aus eigener Kraft loszuwerden. Das haben die vielmehr selber vollzogen, als die FDP 1982 die Koalition mit der SPD beendete, das sozialliberale Experiment damit an den Nagel hĂ€ngte und Helmut Kohl zur Macht verhalf. Damals verließen nicht nur die Jungdemokraten die Partei, sondern auch prominente Sozialliberale wie GĂŒnther Verheugen oder Ingrid MatthĂ€us-Maier, selber einst Judo-Bundeschefin, die sicher auch das eine oder andere zur PĂ€derasten-Vergangenheit ihrer Truppe beisteuern könnte.

Erst nach der Trennung war die Gremien-Mehrheit der FDP bereit, die Jungliberalen um Westerwelle offiziell als Parteijugend anzuerkennen und in der Satzung zu verankern – was auch insofern eine kulturelle RĂŒck-Wende war, als jetzt ein Mann seine Karriere starten konnte, fĂŒr den das Private keineswegs politisch, sondern eben vor allem privat war und ist.

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