1972 und 1973 war Günter Netzer Fußballer des Jahres. 2010 ist der Medienstar des Jahres. Netzer verbindet, was eigentlich nicht zu verbinden ist. Von der ARD lässt er sich – vermutlich – dafür bezahlen, dass er in der Halbzeit und nach Spielende mehr oder weniger sinnvolle Analysen zum Spiel erzählt. Dieselbe ARD, wie auch alle anderen Fernsehsender, die Rechte für die WM gekauft haben, bezahlen ihn ansonsten für die Zulieferung der Bilder von den Spielen. Das ist alles kein Geheimnis, sondern offen einsehbar. Netzer ist Executive Director der Sportmedienagentur Infront. Die produziert die Fernsehbilder, die die übertragenden Sender übernehmen. Auftraggeber ist die FIFA (Präsident: Sepp Blatter). Infront-Geschäftsführer ist Philippe Blatter (der Neffe). Sitz der Firma ist der steuergünstige Schweizer Kanton Zug.

Ohne Infront geht im weltweiten Sportgeschehen offenbar nicht viel. Derzeit ist die Netzer-Firma “vollständig auf die Vorbereitung der Bundesliga-Saison 2010/2011 konzentriert”, heißt es in einer Pressemmitteilung. Außerdem betreut sie die Fernsehberichterstattung bei der Eishockey-WM, der chinesischen Basketball-Liga, der Handball-EM, der Superbike-Motorradserie, dem Ski-Weltcup und weiteren Großereignissen.

Beziehungen sind halt alles, wie man sieht. Die Organisation des Ereignisses, die Produktion der passenden Bilder, die Kommentierung derselben – alles aus einer Hand, Netzer mittendrin und überall dabei. Der Punkt ist nur: Wie verträgt sich das mit dem hehren Anspruch der öffentlich-rechtlichen ARD, die sich ja immer gern als unabhängige journalistische Instanz präsentiert?

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