Ausgerechnet den Club of Rome ziehen die Ökonomie-Experten des Spiegel wieder aus der Versenkung. Die Leute, laut deren Vorhersage wir seit mindestens zehn Jahren kein Öl mehr haben, den Planeten versenkt, die Menschheit in Not und Hunger gestürzt, die Zivilisation verfressen haben müssten. Dabei hungern immer weniger Menschen. Seit sich die Afrikaner von der Entwicklungshilfe-Diktatur des Westens emanzipieren, wird auch der dunkle Kontinent etwas heller (was Spiegel & Co. freilich nur ungern berichten).  Und der Wohlstand etlicher Länder in Süd-Ost-Asien, die zur Hochzeit des Club of Rome 1972 noch hungerten, sollte eigentlich für schamhaftes Schweigen sorgen. Aber nein. Sie können es nicht lassen.

Und sie tricksen und schummeln dabei wie eh und je. Jetzt soll es dem Bruttoinlandsprodukt als Messgröße für wirtschaftlichen Erfolg an den Kragen gehen. Stattdessen sollen gefühlte Faktoren ins Spiel kommen. Im BIP werde z.B. als wertmäßige Größe auch das Leerfischen der Meere gerechnet, was aber tatsächlich ja nicht gut sei, verbreitet sich ein Schätz-Ökonom. Und der Autor zitiert den Münsteraner Wirtschaftsprofessor Ulrich van Suntum, dass das BIP im Vergleich zum OECD-Human-Development-Index irreführend sei. Als Beispiel wird China genannt: Platz zwei im BIP-Vergleich, Platz 92 bei der OECD. Dass van Suntum derart Äpfel mit Birnen vergleicht, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Dass der OECD-Index unterschiedliche Lebensumstände einzelner Menschen berücksichtigt, das BIP aber nur das subsummierte Ergebnis einer gesamten Volkswirtschaft, das wissen wir auch heute schon. Anders gesagt: China ist aufs Ganze gerechnet mit seiner Milliarde Menschen die zweitgrößte Volkswirtschaft, während der einzelne Chinese in Sachen Einkommen, Schulbildung, Wohnung und noch ein paar Aspekten im Schnitt auf Rang 92 landet. Ja – und?

Im letzten Absatz erschließt sich, worum es hier eigentlich geht, nämlich um Lobby-Arbeit für eine politisch manipulierbare Messung von Wirtschaftsdaten. Eine deutsch-französische Arbeitsgruppe erarbeite gerade einen neuen Index. Ausgerechnet! Einer der Fans eines solchen Index ist, das erwähnt der Artikel auch, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Der Mann, der Statistik aus Prinzip nicht ausstehen kann. Das lässt Böses ahnen. Offenbar wollen sich die Poliker einen Wunschindex zimmern, der sie immer gut aussehen lässt, egal, wie die Lage ist.

Das hatten wir schon mal, jedenfalls im Osten. Man nannte es Planwirtschaft.

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