Unfassbar. Sie haben es schon wieder geschafft. Die europäische Putschtruppe hat den Griechen das Referendum über das Schulden-Sparprogramm (wichtig) und die Souveränität (wichtig) ausgetrieben. Den Volksentscheid über das Rauchen in Kneipen (unwichtig) oder einen schwäbischen Bahnhof (unwichtig) lassen sie durchgehen. Zusätzlich, und das ist ein echter Geniestreich, haben Sie Herrn Papandreou eine große Koalition aufgeschwatzt. Sie nennen das nicht Einheitsfront oder so, weil das vielleicht nicht so gut käme, sondern irgendwas mit Notstandsregierung. Auf jeden Fall ist der karge, oligopolistische Rest der sogenannten griechischen Demokratie damit auch begraben. Glückwunsch nach Berlin und Brüssel!

Damit sollte Frau Merkel Herrn Papandreou wieder liebhaben. Er ist jetzt wieder eingereiht in die Phalanx, die dem Volk gestattet, Unwichtigkeiten zu entscheiden, solange die Chefin und ihr Hofstaat die großen Sachen allein bestimmen. Es ist ein bisschen wie Wahlkampf, wo die Parteien ja auch eifersüchtig aufpassen, bloß nicht die falschen Themen zur Entscheidungssache für die Bürger zu machen. Saisonweise gelten Wahldebatten über Atomkraft, Integration, die Höhe der Steuern oder EU-Verträge als ungeeignet, wobei die Vokabel ungeeignet durch populistisch ersetzt wurde.

Wer hätte das gedacht, als 1989 die Mauer fiel. Da sah es so aus, als hätten Freiheit und Demokratie gesiegt. Aber da haben wir nicht mit dem von Donald Rumsfeld sogenannten alten Europa gerechnet. Freiheit und Demokratie haben wir heute in Tschechien, den Baltenstaaten und Polen, vorübergehend auch in der Slowakei – bis dort das alte Europa das Parlament, also die Volksvertreter, derart unter Druck setzte, dass im zweiten Anlauf das erwünschte Ergebnis herauskam.

Frau Merkel ist am Ziel. Es wird jetzt durchregiert. Fast wünscht man sich den Basta-Kanzler zurück. Der hat wenigstens nur gebellt.

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