Als Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsberger sich öffentlich als schwul outete, da stand sofort die altbekannte Diskussionsfront. Der Mainstream lobte routinemäßig mit den immergleichen Lobsätzen, der konservative Rest stöhnte auf mit immergleichen Bemerkungen wie „schon wieder ein Outing“. Hitzlsperger ist aber nicht irgendwer, und sein Outing ist nicht irgendeines. Ich find’s klasse, und das sind die drei Gründe:

  1. Hitzlsperger hat der grölenden Masse den Kampf erklärt, die jedes Wochenende sämtliche Nahverkehrszüge der Republik in stinkende und dröhnende Bierhallen verwandelt. Genau die Leute, die es toll finden, Worte wie Nigger oder schwule Sau zu krakeelen, und zwar immer schön im Mob. Ich find‘ allein schon super, dass er diese Leute, die sich Samstags immer so superstark und unangreifbar geben, komplett isoliert.
  2. Die ständige Outerei von irgendwem nervt mich sonst auch. Ob jemand auf Männer oder Frauen steht ist mir  egal. Beim Fußball sieht die Sache aber anders aus. Da werden Schwule permanent von der erwähnten Masse attackiert. Es ist die Stadionöffentlichkeit, die meint, ins Bett der Spieler gucken zu dürfen. Nicht Hitzelsperger hat das Private öffentlich gemacht, er hat vielmehr nur auf die sogenannten Fans reagiert.
  3. Hitzlspergers Timing ist perfekt. Ausgerechnet vor den Olympischen Spielen in Sotschi in Russland hat ein Sportler den Mund aufgemacht und ein ziemlich starkes Signal gesetzt – nämlich für den freien Westen. Denn es sind die freien Gesellschaften in Europa und Amerika, die den Menschen erlauben, frei und nach eigenem Gusto zu leben. Russland gehört nicht dazu, was derselbe politische Mainstream, der Hitzelperger jetzt lobt, gern verschleiert.

Damit unterläuft Hitzlpergers Outing die typische Frontstellung der diversen Moral- und Grundsatzdebatten. Sowas ist gut, weil es das eigene Denken befördert.

2 Kommentare
  1. Klaus Kelle sagte:

    Ich glaube, Du warst lange nicht mehr in einem Fußballstadion. Mehr Vorurteile gegen Fans geht ja gar nicht…

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  2. bitterlemmer sagte:

    Stimmt, in einem Stadion schon sehr lange nicht. Aber sehr häufig in der Bahn, auch vor oder nach Bundesligaspielen.

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