Der inhaftierte Reporter M. (links) beim Interview mit dem Sohn der zum Steinigen verurteilten Sakineh Ashtiani

“Irgendwie hält sich mein Verständnis in Grenzen”, schreibt ein gewisser FrankDR als Leserkommentar zu einem Spiegel-Online-Artikel über die beiden im Iran inhaftierten Reporter der Bild am Sonntag. Die beiden hätten kein Journalistenvisum gehabt, sondern seien als Touristen eingereist. “Natürlich bin ich für die Pressefreiheit”, schreibt dieser Zyniker und beginnt damit einen Satz, der ohne ein aber gar nicht fortzusetzen geht, was dann natürlich auch gleich folgt – “aber nun so einen Wind zu machen, obwohl von den Beiden wissentlich ausländische Gesetze gebrochen wurden…”.

Was für Wind? Monatelang haben die deutschen Medien auf fast beschämende Weise darüber geschwiegen, dass zwei Reporter bei ihrer Arbeit von einem Verbrecherregime gefangen genommen wurden. Kein Aufschrei, keine Empörung, obwohl das die logische und verständliche Reaktion gewesen wäre. Verlag und Auswärtiges Amt vertrauten auf stille Diplomatie. Gleich nach der Festnahme hieß es, die beiden würden gewiss bald freikommen. Nach ein paar Wochen sagten Insider, vor Weihnachten sei die Sache ausgestanden. Im November beging der Reporter M. im Gefängnis in Täbris seinen 45. Geburtstag. Dann das Weihnachtsfest, dann den Jahreswechsel, und erst jetzt beginnt die Öffentlichkeit wirklich, den Fall zur Kenntnis zu nehmen. Erst jetzt hat die Tagesschau damit aufgemacht, erst jetzt schreiben die Zeitungen darüber, erst jetzt finden sich Prominente, die sich solidarisch erklären. Und immer noch wirkt der Umgang mit den beiden befremdlich und gespenstisch. Ihre Namen schreibt bis heute niemand. In den Mutterländern der freien Presse geht man mit ähnlich gelagerten Fällen anders um. Offener.

In den Mutterländern der freien Presse käme wohl auch niemand auf die Idee, wie der erwähnte FrankDR die Gesetze eines faschistoiden Regimes zur Maxime seiner Bewertung des Falles zu machen. Er ist nicht der einzige, der die Inhaftierung der beiden Reporter so sieht. Da haben sich Dutzende verewigt, die nicht minder widerliche Statements abgeben. “Der Respekt gegenüber Gesetzen anderer Staaten muss erfolgen”, schreibt eine angebliche susie.sunshine in typischer Bürokraten-Diktion, was ja in Wahrheit bedeutet: Erlässt ein faschistoider Verbrecherstaat ein Gesetz, das Journalisten ihre Arbeit verbietet, dann müssen wir das halt so hinnehmen. Schreiben über Staatsverbrecher also verboten. Pressefreiheit abgeschafft. Der mieseste Kommentar jedoch, den ich gefunden habe, stammt von einem MichaelHabersaath. Der unterstellt der Chefredaktion der Bild am Sonntag, sie habe sich die Festnahme der Reporter womöglich gewünscht, um hinterher eine Kampagne lostreten zu können. Und dann schreibt er, voller Hass und Ressentiment: “Was bleibt sind zwei dämliche Reporter (ich will sie gar nicht Journalisten nennen) und eine Menge Promis, die sich von der Bildzeitung haben instrumentalisieren lassen oder auf diese Weise nur mal wieder in der Öffentlichkeit Erwähnung finden wollten, wofür sie sich virtuell mal kräftig geohrfeigt fühlen sollten.”

Da ich einen dieser Reporter kenne, ebenso seinen Chefredakteur, fällt mir dazu nur ein Satz ein: Dieser MichaelHabersaath ist krank oder ein gekaufter Jubelperser oder beides.

1 Antwort
  1. Jan D. Walter sagte:

    Die Staatsgläubigkeit vieler Deutscher macht – auch dank der ewigen Predigt von allumfassender Toleranz – eben nicht vor Ländergrenzen halt.
    Allerdings sind die beiden Kollegen auch wirklich dumm: mit einem Touristenvisum einzureisen, um journalistisch zu arbeiten – hätten sie doch einfach den Grund ihrer Einreise korrekt angegeben! Dann hätten Ayatollah- und Ahmadinejad-Schergen sie schon davor bewahrt, gegen Gesetze zu verstoßen – und zwar auf Schritt und Tritt.

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