Ausschnitt aus Romneys Homepage: Mehr Jobs und mehr netto

Wer gewinnt die US-Präsidentschaftswahlen im November? In Deutschland tippt/hofft die Mehrheit vermutlich auf Obama. Dabei sitzen aber viele einem Missverständnis auf. Europäer (und europäische Medien und Intellektuelle) pflegen eine traditionelle Abneigung gegen allzu viel individuelle Freiheit und neigen darum den US-Demokraten zu, deren Ausrichtung irgendwie „europäischer“ wirkt. Ich kenne bis auf ein paar Ausnahmen eigentlich nur Leute, die für Obama und die Demokraten sind und gleichzeitig die USA generell nicht besonders mögen, weil ihnen das volkstümliche, manchmal bewusst anti-intellektuelle Yankeetum auf den Geist geht.

Dabei war es ein Demokrat, der die Sache mit den Wahlchancen auf den entscheidenden Punkt brachte. „It’s the economy, stupid“ („Es ist die Wirtschaft, Dummerchen“), formulierte der CNN-Moderator James Carville als Berater von Bill Clinton im Präsidentschaftswahlkampf 1992. Er hatte damit Erfolg: Clinton kegelte George H.W. Bush aus dem Amt und hielt sich auch während seiner Präsidentschaft an Carvilles Regel.

Obama dagegen setzt auf andere Dinge, vor allem auf Sozialpolitik. Das ist in der Tat sehr europäisch und fast schon unamerikanisch. Arm und reich unterscheiden sich da wenig voneinander, erst recht Eingesessene und Zuwanderer. Wer in die USA zieht, der kommt eher selten, weil er sich aus den Sozialkassen alimentieren lassen will, sondern deshalb, weil er die Chance sucht, das persönliche Glück in die eigenen Hände zu nehmen.

Letztlich ist es eine Frage der Perspektive, die den Unterschied zwischen den Kontinenten ausmacht. In Europa gewinnt, wer die meisten staatlichen Zahlungen verspricht, in den USA, wer dem Bürger die wenigsten Steuern und Abgaben abknöpft. Und da hat Obama ein Problem. All das, was etwa die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung als Triumph seiner Politik feiert, verfängt bei der Mehrheit nicht, so lange der Job nicht stimmt und netto nicht genug übrig bleibt.

Das hat Romney verstanden. Sein Slogan lautet bündig: „Americans deserve more jobs and more take-home pay“. Zu deutsch: „Amerikaner verdienen mehr Jobs und mehr Geld im Portemonnaie“. Und damit spielt Romney eine weitere Stärke aus, die in Europa nie und nimmer funktionieren würde – nämlich seinen eigenen beruflichen Erfolg und Reichtum. Er präsentiert sich als Mann, der Ahnung hat von Geld und Wirtschaft und der die Dinge wieder hinbiegt, die Obama versiebt hat.

Der Rest (Mormonentum, Steueroasen, Abtreibungsstreit, Schwulenehe, etc.) interessiert eh keinen.

Wie schaut’s aus – wagt noch jemand eine Wette auf Obama?

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