Jetzt fallen die Presserabatte auf breiter Front

Darf ich mich kurz rühmen, das Thema Presserabatte schon im Jahr 2004 kritisch angefasst zu haben? Damals hatte ich noch das Gefühl, gegen die gesamte Kollegenschaft anzuschreiben. Dass ein großes Publikumsmedium sich damit beschäftigen könnte, habe ich als undenkbar empfunden, weil da ja lauter Kollegen arbeiten, die selber gern und oft ihren Presseausweis zum Schnäppchen schießen einsetzen. Und jetzt wird endlich doch darüber gesprochen – und prompt kippt ein Rabatt nach dem anderen.

Nach Bahn und Air Berlin hat jetzt auch die Telekom angekündigt, Journalisten keine Sonderkonditionen mehr zu gewähren. Damit beenden genau die drei Unternehmen die bisher gängige Korruptionspraxis, die auf der Rangliste des Portals pressekonditionen.de auf den ersten drei Plätzen stehen. Nachdem Springer seine Redakteure ermahnt, von sich aus auf kleine Geschenke zu verzichten, dürfte die bisherige Praxis endlich so bewertet werden wie sie gehört: Als schmuddelige Kumpanei und institutionalisierter Interessenskonflikt.

Peinlich wie immer reagiert der DJV, wobei er im Gegensatz zur Gewerkschaft Verdi wenigstens irgendwie reagiert. DJV-Chef Michael Konken begrüßte den Vorstoß der Springer-Chefredakteure als „überzeugenden Schritt hin zu noch mehr Glaubwürdigkeit der Journalistinnen und Journalisten“, was schon für sich genommen eine ziemlich dreiste PR-Verdrehung ist. Noch weniger überzeugend ist, dass der DJV Konkens Worten keine Taten folgen lässt.  Sollte der DJV wirklich wollen, dass der Presseausweis „nur ein Werkzeug für die Recherche ist, das etwa an Einsatzorten von Polizei und Feuerwehr Profi-Journalisten von Schaulustigen unterscheidet“, dann könnte er das in Nutzungsbedingungen verbindlich so festlegen.

Tut er aber nicht. Warum nicht? Vielleicht wegen der schönen Gebühren, die der Presseausweis den Verbänden bringtz?

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