Der Journalismus wird immer massiver von der PR verdrängt. Ein Gradmesser ist die Jobstatistik bei newsroom.de. Letztens standen da im Archiv 181 Ausschreibungen für journalistische Stellen gegen 3292 Ausschreibungen in den Bereichen PR und Marketing. Das ist eine ziemlich schlechte Nachricht für die Pressefreiheit. Sie betrifft wohl auch nicht nur Europa und Deutschland, sondern die ganze westliche Welt. Aus den USA gibt es eine besonders krasse Nachricht: Dort haben zwei frischgebackene Pulitzer-Preisträger dem Journalismus den Rücken gekehrt und sind in die PR abgewandert.

Dass dass mit dem Internet zu tun hat liegt auf der Hand, aber das ist beileibe nicht alles. Die Branche trägt auch selber dazu bei, sich abzuschaffen. Das beginnt damit, dass PR-Leute von den Journalistenverbänden Presseausweise ausgestellt bekommen, als seien sie recherchierende Journalisten. Der Vorsitzende des DJV ist PR-Mann, nicht Journalist, und niemand findet etwas dabei. Dabei ist PR das glatte Gegenteil von Journalismus. PR-Leute sind die, denen wir Journalisten nicht glauben sollten. Leider haben die uns unterwandert. Sie werden nicht nur besser bezahlt, sie geben auch auf immer breiterer Front die Themen der Berichterstattung vor.

Die Redaktionen rüsten dagegen ab. Immer häufiger greifen sie auf Angehörige der neuen journalistischen Prekariatsschicht zurück – Freelancer, die über feste Gehälter, Urlaub, bezahlte Krankentage und ähnliche Dinge nicht einmal mehr nachdenken mögen. Für die Nachrichten über streikende Lokführer oder Kindergärtnerinnen Geschichten aus einer anderen Welt sind, deren Bewohner vergleichsweise privilegiert sind. Ohne deren Dienste aber manche Redaktion in die Knie gehen würde und die oft weniger kosten als die monatliche Leasingrate für den Dienstwagen des Chefredakteurs oder Intendanten.

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