Ich kenne PR-Leute, die relativ offen und bewusst Interessenskonflikte suchen. Etwa, indem sie über persönliche Kontakte zu Redakteuren Geschichten platzieren, die sonst niemand drucken würde. Im Fall des insolventen Kaufhauskonzerns Karstadt bin ich auf einen anderen Fall einer möglichen Interessenskollision gestoßen. Die PR-Agentur CNC vertritt gleich zwei Bieter, die Interesse an der Übernahme des Unternehmens bekundet haben, die Private-Equity-Gesellschaft Triton und die Immobiliengesellschaft Highstreet, die mehrheitlich zur US-Bank Goldman Sachs gehört. CNC-Sprecher John Menger stellte sich meinen Fragen und antwortete verblüffend offen.

“Wir haben im Vorfeld mit allen Seiten gesprochen und gehen das Thema offen an”, sagte Menger. Highstreet sei schon länger als ein Jahr Klient der Agentur. Vor wenigen Wochen habe dann Triton angefragt, seine Pressearbeit ebenfalls von CNC erledigen zu lassen. Triton sei auf CNC gekommen, weil es persönliche Bekanntschaften zwischen Mitgliedern der CNC-Führungsebene und Triton gebe. Menger sagte, so ungewöhnlich sei es gar nicht, dass ein Beratungsunternehmen verschiedene Seiten betreue und nannte dafür auch Beispiele. Banken und Anwälte würden bei Unternehmensübernahmen (M&A) immer wieder für unterschiedliche Parteien arbeiten. Auch das Bankhaus Lehman Brothers habe bei Börsengängen Klienten auf mehreren Seiten gehabt.

Interessant ist CNC allemal. Die Agentur präsentiert auf ihrer Webseite ein Management-Team mit durchgehend hochkarätigen Leuten. Einer der Partner ist etwa Sigmar Mosdorf, der einige Jahre Staatssekretär im Wirtschaftsministerium in der rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder war. Auch andere Lebensläufe sind beeindruckend, etwa der von Jochen Legewie, der die Unternehmenskommunikation von Mitsubishi in Tokio leitete und für den japanischen Industrieverband arbeitete. Die Agentur hat Büros quer über den Globus und ist offenbar bestens vernetzt.

Ungewöhnlich an dem Gespräch mit Menger war, dass er auf die sonst üblichen PR-Floskeln komplett verzichtete und schnörkellos meine Fragen beantwortete, auch die, wie Triton auf seine Agentur gestoßen war. Normalerweise reagieren Pressesprecher auf solche Fragen immer etwas allergisch, als würden sie gezwungen, irgendwelche Staatsgeheimnisse auszuplaudern. Es könnte sein, dass CNC tatsächlich auf den Bohei verzichtet, den andere PR-Leute betreiben. Möglicherweise sind sie aber einfach nur besonders clever.

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