Foto von Richard Gutjahr vom Tahrir-Platz in Kairo. Offenbar ändert die Revolution auch das Hitler-Bild vieler Araber. Bisher mussten sich Deutsche in arabischen Ländern oft peinliche Komplimente auf den Nazi-Führer anhören

Wo leben wir eigentlich, möchte man fragen, wenn man von Merkel über Obama bis zu Sarkozy (bei dem das offenbar schon notorisch ist) angesichts der arabischen Revolution vernimmt, man hoffe, die Region bleibe stabil? Von welcher Sorte Stabilität reden wir hier eigentlich? Und würden wir die auch hierzulande akzeptieren? Oder die reflexhaft geäußerte Hoffnung etwa der Staatssekretärin Katherina Reiche auf ihrer Facebook-Seite, die Revolution möge friedlich bleiben? Zu einem Zeitpunkt, als sie längst nicht mehr friedlich war?

Verstörend finde ich auch die Haltung Israels (was vorher noch nie der Fall war). Ich kann verstehen, dass Israel sich sorgt, die Muslimbrüder könnten in Ägypten an die Macht kommen. Das Lebensrecht Israels und das Recht der Araber auf Demokratie als Quasi-Antagonismus zu sehen ist aber fatal. Es ist auch kurzsichtig. Wer immer in Ägypten und im Rest Arabiens als Sieger aus der Revolution hervorgeht, wird sich Netanjahus Eintreten für den gerade stürzenden Gewalt-Diktator merken. Ein grober Fehler.

Merkel und Obama haben das bemerkt. Im Fall Merkels wäre es auch wirklich lächerlich, wenn sie die Staatsmanns-Rhetorik so weit treiben würde wie der durchgeknallte Sarkozy. Schließlich wäre sie nicht Kanzlerin, wenn die Revolution in der DDR erfolglos geblieben wäre. Das, was gerade in Arabien passiert, ist damit gut vergleichbar.

Dass die Revolution in Ost-Europa überwiegend friedlich blieb, ist freilich eher ein Zufall. Schon möglich, dass die DDR-Deutschen brav nach Hause gegangen wären, wenn die SED das nur nachdrücklich genug und mit dem Hinweis auf eine „friedliche Lösung“ verlangt hätte. Von Polen, Tschechen oder Ungarn darf man anderes annnehmen (was eindeutig für diese Länder und ihre Völker spricht). In Rumänien ist es tatsächlich anders gelaufen. Und auch in Russland rollten vorübergehend die Panzer. Die vergleichweise Ruhe der samtenen Europa-Revolte war wohl eher darin begründet, dass die Sowjetunion zusammenbrach und damit die Machtbasis der kommunistischen Herrscher. Denen ging im buchstäblichen  Sinn die Munition aus.

In Arabien ist das anders. Hier herrschen Militärs und Geheimdienstler. Manche tragen ihre Uniform bis heute, wie der Diktator Gadafi. Andere hüllen sich in westliches Tuch, wie Mubarak oder der Syrer Assad. Allesamt sind sie von der Sorte, der ein einzelnes Menschenleben nichts wert ist. So verhalten sie sich auch. Nicht erst jetzt, sondern schon immer. Diese Leute werden sich nicht ohne Gegenwehr vertreiben lassen. Aber sie gehören vertrieben.

Würde irgendjemand in Deutschland so leben wollen wie ein ägyptischer Fellach? Rechtlos, einer brutalen Staatswillkür ausgeliefert, ohne Chance, sich zu wehren? Und wenn wir dazu nein sagen – ist der Deutsche (oder Franzose oder sonstige Europäer) mehr wert als der ägyptische Fellach? Darf nur unsereiner sich Menschenrechte zumessen?

Dass, was die Sarkozys dieser Welt verkünden, ist purer Rassismus. Niemand muss sich sorgen, wenn arabische Länder demokratisch werden, und gerade Ägypten will nichts anderes. Dieses Land versteht sich westlicher als die meisten seiner Nachbarn.

Die Sorge vor dem Einfluss der Muslimbrüder kann ich nachvollziehen (wenngleich sie vermutlich überschätzt sind, denn mit Al Kaida etc. haben die nichts zu tun, sie sind viel gemäßigter). Freilich gebe es darauf eine klare Antwort: Eine Sicherheitsgarantie des Westens für Israel. Auch Deutschlands. Mit größter Klarheit und voller Konsequenz. Bis hin zu der Drohung, auch die Bundeswehr ein gegen Israel anrennendes Heer auf dem Sinai aufhalten zu lassen. Eine gute Position könnte so aussehen: Niemand mischt sich in Eure Angelegenheiten ein. Aber wehe, ihr legt Hand an Israel. Eine solche Haltung wäre übrigens auch im Sinne des Völkerrechts.

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Foto von Richard Gutjahr übernommen

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