Ich kenne die Kollegin Janine Grosch aus Köln nicht, aber ich habe beim Kölner Stadtanzeiger ein sehr klares Faktenstück über den Stand der Dinge zur Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof gelesen, das ihren Namen in der Autorenzeile trägt. Die Überschrift heißt „Das wissen wir bisher über die Täter“. Darin steht, dass wohl auch frisch zugewanderte Syrer verdächtigt werden. Im ganzen sollen es doch mehr als 1000 Männer gewesen sein, die zu der Gruppe gehörten. Viele von ihnen seien offenbar von weiter auswärts angereist. Wir erfahren auch, dass die Polizei „in sozialen Netzwerken“ recherchiere, ob sie sich gezielt verabredet haben könnten.

Kollegin Grosch dürfte für ihr Stück, das man in einer Minute fertig gelesen hat, längere Zeit ziemlich zäh gearbeitet haben. Ihre Infos sind genau von der Sorte, die wirklich interessiert, die die Behörden aber meist nur ungern rausrücken. Vermutlich hat sie auch häufiger das Besetztzeichen im Telefon gehört. Könnte natürlich auch sein, dass sie Glück hatte und gleich den richtigen Ansprechpartner am Apparat. Keine Ahnung, aber jedenfalls lese ich endlich mal ein paar nackte Fakten ohne nervige Zusätze.

Kollegin Grosch verdient vermutlich nur halb so viel oder noch weniger Geld als ihre öffentlich-rechtlichen Kollegen vom Wallrafplatz. Dort sitzt der große WDR. Simple Fakten interessieren den nicht. Stattdessen ist seine Webseite mit Bildern von Politikerköpfen gepflastert. Die Aufmachergeschichte heißt: „Jäger fordert Erklärung aus Köln“. Weil kein normaler Mensch versteht, was damit gemeint sein soll: Jäger heißt der Innenminister von NRW, und es geht in dem Beitrag darum, dass die „Kölner Polizei den Opfern der Übergriffe genau erklären [müsse], wie es dazu kommen konnte“.

Tatsächlich kann man auf der Webseite des WDR herumklicken wie man will – es gibt dort mehr oder weniger nur Politiker-Statements. Warum hilf- und hirnlose Sätze wie der des Herrn Jäger überhaupt als Nachrichten durchgehen weiß außerhalb öffentlich-rechtlicher Büros wohl eh niemand. Wenn man weiterklickt, findet man nur ein Stück, das für sich in Anspruch nimmt, Fakten zu vermitteln. Es ist überschrieben mit „Was ist wann bei den Silvester-Übergriffen passiert?“ und definitiv nicht auf dem aktuellen Stand. Der Autor beruft sich meist auf Pressemitteilungen oder eine Pressekonferenz, Material also, das die Behörden unaufgefordert an jedermann verteilen. Mit anderen Worten: Wo er doch mal Fakten bringt, da ist der WDR veraltet und transportiert sogar nach eigener Darstellung vor allem ungefilterte Behördenmeldungen.

Da verlasse ich mich doch lieber auf die Journalistin Janine Grosch und ihre Kollegen vom Kölner Stadtanzeiger. Die berichten übrigens in einem anderen Stück von einer satirereifen Tat der Stadtpolitiker. Demnach wollen die jetzt Polizisten mit Teleskopstangen ausrüsten, an denen Kameras hängen. Wie das in der Praxis aussehen wird will ich mir lieber erst gar nicht ausmalen.

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