Also: Eine Videoübertragung des NSU-Mordprozesses ist doch möglich. Das sagte der Präsident des OLG München, Karl Huber. Im Sitzungssaal 101 werde derzeit eine Übertragungsanlage installiert. Die Kamera werde ein Beisitzer vom Richterpult aus mit einem Touchscreen steuern. Die Kamerabilder werden während des Prozesses auf eine Leinwand projiziert, um allen Beteiligten und den Zuschauern zu ermöglichen, alle Aussagen im Detail zu verfolgen. Und ja: Es ist tatsächlich so, wie es hier steht. Keine Fiktion.

Hubers Statement stammt von einer Pressekonferenz vom 15. März, auf der er Journalisten den Sitzungssaal zeigte. Als er die hochmoderne Kamerasteuerung erklärte, da lachte er manchmal wie ein kleiner Junge. Man werde sehen, welcher der Beisitzer den Touchscreen bedienen werde, wer das technische Interesse daran mitbringe. Es klang, als würde er selber gern die Saalkamera vom Richterpult aus kreisen lassen.

Das Bild, das sie aufzeichnet, wird auf eine Leinwand im selben Saal projiziert. Sie wird an der Vorderwand hinter dem Richtertisch angebracht. Das ist nötig, weil Nebenkläger und Zuschauer die Verhandlung auf zwei Ebenen verfolgen. Unten sitzen die Nebenkläger, oben auf einer Empore die Öffentlichkeit. Und oben kann ab der zweiten Reihe kein Zuschauer etwas anderes sehen als die Wand. Man könnte auch sagen: Die Empore des Verhandlungssaales 101 im Münchner Justizpalast ist optisch gesehen ein abgeschlossener Raum, der, weil da sonst keiner etwas mitbekommt, per Videoübertragung an das Geschehen unten angeschlossen ist.

Die neue Übertragungsanlage überträgt nicht nur Videobilder, sondern auch zwei Ton-Kanäle. Jeder Sitzplatz verfügt über einen Kopfhörerstecker und im unteren Bereich, wo die Nebenkläger Platz nehmen (bzw. die Teilmenge der Nebenkläger, die einen Platz bekommt), zusätzlich über ein Mikrofon. Damit ist die technische Voraussetzung dafür geschaffen, dass der Prozess komplett zweisprachig geführt werden kann – und das wird er auch, nämlich in deutsch und türkisch. Alles, was Richter, Anwälte und Angeklagte sagen, wird von Simultandolmetschern ins Türkische übersetzt, alles, was türkische Hinterbliebene und Zeugen sagen, können sie in ihrer Muttersprache vorbringen und ins Deutsche übersetzen lassen.

Technisch wäre es also leicht, Bild und Ton auch in einen Nebenraum zu übertragen. Aber das hält die Kammer juristisch für unzulässig. Nur: Warum soll es verboten sein, die Verhandlung in einen Nebenraum zu übertragen, nicht aber innerhalb desselben Raumes zur Empore?

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