Tausende Jugendliche wollen trotz Verbots am Wochenende in Madrid protestieren

In Spanien ist etwas grundsätzlich faul. Ob es die Sklavenhaltermethoden spanischer Großbauern sind, die massenhafte Korruption im Bausektor, die brutal verschandelten Küstenstreifen oder die verantwortungslose Schuldenpolitik, die das Land zu einem der nächsten Euro-Pleitiers machen könnte. Das übelste Symptom ist freilich die Jugendarbeitslosigkeit von 40 Prozent, die nichts anderes ist als die Konsequenz panischer Gier der Besitzstandswahrer. Dagegen gehen Jugendliche zu Recht auf die Straße. Der Staat, angeblich demokratisch, sozialistisch regiert, hat dagegen Demonstrationsverbote verhängt. Offenbar beginnt in Spanien gerade, was Heidi Schüller in den 80er Jahren auch für Deutschland vorhersagte: Ein Krieg der Generationen.

Schüller, studierte Ärztin und einstige Olympia-Leichtahtletin, hatte sich erlaubt, das kleine Einmaleins zu respektieren und festzustellen, dass höhere Renten, weniger Geburten, höhere Steuern und Abgaben mit weniger arbeitenden Menschen einfach nicht zusammenpassen. Die Interessen von Alten und Jungen würden auseinanderklaffen. Dafür wurde sie öffentlich verprügelt, vor allem von CDU-Sozialpolitiker Norbert Blüm („Die Renten sind sicher“) und der SPD.

Spanien hat dieselben Probleme, nur schlimmer. Die Wirtschaftskraft ist schwächer als die deutsche. Damit steht den Spaniern weniger Geld zur Verfügung, die Fassade glänzend zu halten. Dort hat jetzt eine ganze Generation jede Zukunftshoffnung verloren und lässt sich den Schneid nicht mehr abkaufen, nicht zuletzt, weil kein Geld mehr da ist, um ihn ihr abzukaufen. Auch bei uns wird das Geld ausgehen. Die Schulden macht der Staat ja nur, um noch die eine der andere Wahlperiode zu erkaufen.

Wenn es nur noch um das letzte Festkrallen an der Macht geht – was zählen da Demokratie und Freiheit? Spanien hat das Demonstrationsrecht quasi abgeschafft. Die Begründung für das Verbot des Jugendprotests ist abenteuerlich: Er würde die anstehenden Wahlen stören. Wann, wenn nicht vor Wahlen, wäre der richtige Zeitpunkt für Kundgebungen? Wann sonst würde ein Anliegen wirksamer vorgetragen?

Ähnliches blüht auch Deutschland. Niemand möge sich von der gerade guten Konjunktur blenden lassen. Was langfristig die Lage bestimmen wird, hat Heidi Schüller völlig korrekt benannt. Und es ist ja auffallend, dass offenbar niemand aus dem politisch-medialen Mainstream in Deutschland das Demonstrationsverbot im sozialistisch regierten Spanien empörend findet. Die vergleichsweise harmlose neue Verfassung in Ungarn wurde bedeutend schriller kommentiert.

2 Kommentare
  1. Peter sagte:

    Ich stimme zu was die undemokratischen Demonstrationsverbote betrifft: das ist in der Tat anti-demokratisch, also auf die Abschaffung der Demokratie abzielend.

    Aber ansonsten hat Ihre Argumentation einen Bruch:.

    Wie kann die Jugendarbeitslosigkeit ihre Ursache im Generationenkonflikt haben, also ursächlich begründet sein in einer stetigen Zunahme von (zu) gut situierten Rentnern und immer weniger Arbeitskräften, die diese finanzieren? Es müsste doch genau umgekehrt sein: Wenn sich immer höhere Abgaben auf immer weniger Schultern verteilen (wie Sie ja argumentieren), müsste die Situation doch eher so sein, dass die gesamte Jugend zwangsweise in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen sein müsste – also in quasi sklavischen Verhältnissen.

    Flappsig ausgedrückt: wie passen Rentnerschwemme und Arbeitslosigkeit zusammen?

    Das klingt nicht logisch – offensichtlich werden die Jugendlichen nicht wegen sondern trotz der vielen Alten nicht gebraucht.

    Wenn es zutrifft, dass das Rentensystem und die zunehmende Zahl der Rentner das System überlasten, dann müsste es einen Arbeitskräftemangel geben, keinen Überschuss (und vor genau dem wird ja seitens der Politik bei uns gewarnt). Es müsste also Vollbeschäftigung geben, verbunden mit einer Überlastung des Einzelnen durch zu hohe Sozialabgaben, was schließlich zu Neid, Altersdiskrimierung und zu dem von Fr. Schüller postuliertem Generationenkonflikt führen könnte.

    Eine durchaus zutreffende Beschreibung auf die Situation in Deutschland, zumindest nach den gängigen Zukunftsprognosen. Aber auf die spanischen Verhältnisse trifft das offenbar nicht zu. Und deshalb kann Ihre Argumentation auch nicht zutreffen: die Gründe der Jugendarbeitslosigkeit in Spanien müssen woanders liegen. Mir fallen da viele ein: Misswirtschaft, Korruption, ungerechte Verteilung der Ressourcen etc. Hier von einem Generationenkonflikt zu sprechen lenkt aber vom eigentlichen Problem Spaniens ab.

    Und deshalb blüht uns das in Deutschland eben nicht. Uns blüht eher das hier: annähernde Vollbeschäftigung bei einem hohen Anteil prekärer Arbeitsverhältnisse und steigender Abgabenlast für einen immer größeren Teil der Bevölkerung.

    Antworten
  2. bitterlemmer sagte:

    Der Zusammenhang besteht darin, dass die extreme Sicherheit alter Arbeitnehmer (noch weitergehend als in Deutschland) dazu führt, dass Nachwuchsleute kaum Chancen erhalten oder im Falle eines Falles als erste gehen müssen.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.