Einige gerade der meistgelesenen Artikel meines Blogs haben sehr viel Arbeit gemacht und waren manchmal auch mit echten Kosten verbunden, etwa für Reisen. Einmal hat mich eine investigative Geschichte einen kleinen fünfstelligen Betrag gekostet, weil mich die Rechtsmedizin in Jena beim Hamburger Landgericht verklagt hatte. Man muss ziemlich bessessen sein, um dennoch immer mal wieder ein größeres Stück fürs Blog zu schreiben. Derzeit berichte ich für die dpa vom NSU-Prozess und schreibe für die Agentur auch immer wieder Features zum Thema, aber manches passt einfach besser ins Blog. Nur halt nicht so gern für lau.

Als Lösung habe ich mir Laterpay ausgeguckt. Das ist ein ziemlich ausgefuchstes System, dessen Entwickler sehr strategisch vorgegangen sind und die sich – wohl nicht zuletzt für zielsichere PR – Richard Gutjahr mit ins Boot holten. Die ersten Erfahrungen mit Laterpay klingen vielversprechend. Ich habe es installiert. Es läuft in einem Testmodus, von dem kein Leser etwas bemerkt. Gefällt mir. Allerdings trat dann ein Problem auf, als ich den Vertrag mit Laterpay schließen wollte, um aus dem Test- den Betriebsmodus zu machen: Das Finanzamt lässt mich nicht. Jedenfalls nicht ohne weiteres und schon gar nicht sofort.

Geld darf in Deutschland bekanntlich nur dann fließen, wenn Rechnungssteller ihren Kunden ihre finanzamtliche Identität mitteilen, sprich: Sie müssen ihre Steuernummer oder Umsatzsteuer-ID angeben. Laterpay verlangt die Umsatzsteuer-ID. Eine solche habe ich aber nicht, denn ich habe angesichts meiner eher bescheidenen Umsätze auf Kleinunternehmer optiert. Diese Lösung hat zweifachen Charme: Ich muss keine regelmäßigen Umsatzsteuermeldungen abgeben und entsprechende Vorauszahlungen abliefern, und ich muss keine Debatte mit dem Finanzamt über fiktive Erstattungen führen – also Umsatzsteuer auf Beträge zahlen, für die ich zwar schon eine Rechnung gestellt, aber noch kein Geld erhalten habe. (Liebe festangestellte Kollegen, ihr wisst gar nicht, wie vergeleichsweise komfortabel Euer Dasein ist).

Eine Umsatzsteuer-ID möchte ich trotzdem haben, denn ich möchte Blog-Inhalte über Laterpay bezahltauglich machen. Also habe ich mein Finanzamt angerufen, das Finanzamt Ebersberg in Oberbayern. Die Mitarbeiterin am Telefon bat, ich möge mich bitte Montag wieder melden. Sie kenne sich sich mit sowas nicht aus (ja, hat sie wirklich so gesagt!). Sie sei nämlich neu und meine eigentliche Bearbeiterin heute nicht da. Wohl, weil ich nicht recht zufrieden klang und keinen Versuch unternahm, das Gespräch zu beenden, verband sie mich zu einer anderen Mitarbeiterin. Diese andere Mitarbeiterin sagte, zuständig sei das Bundesamt für Steuern in Saarlouis. Sie suchte mir eine Telefonnummer mit Bonner Vorwahl heraus.

Dort hatte ich zügig einen Mitarbeiter dran, der mich bat, ihm meine Steuernummer aufzusagen. Dann stellte er fest, dass ich “umsatzsteuerlich nicht erfasst” sei. Ich müsse mit meinem Finanzamt Kontakt aufnehmen, da könne er leider gar nichts machen. Mei, man hat ja sonst nichts zu tun.

Also rief ich wieder im Finanzamt Ebersberg an. Beim dritten Versuch (die ersten beiden Male war der Anschluss besetzt) ging die Mitarbeiterin von gerade eben ran. Ich schilderte ihr, was ich beim Bundesamt erfahren hatte, und sie bat mich, meinen Namen und mein Geburtstdatum aufzusagen. Dann schaute sie in ihren Computer und erklärte mir, sie sei für mich nicht mehr zuständig. Das Finanzamt Ebersberg habe meine Akte ans Finanzamt Rosenheim abgegeben, denn ich sei ja vor einigen Monaten in den Landkreis Rosenheim umgezogen. Ich antwortete ihr, dass das gut zu wissen sei und dass ich ja vor einigen Monaten einen Brief ans Finanzamt Ebersberg geschrieben habe mit der Frage, ob man dort weiter für mich zuständig sei oder nicht, mir darauf aber niemand geantwortet habe. Dann teilte mir die Mitarbeiterin mit, dass Rosenheim mir eine neue Steuernummer zugeteilt habe. Die konnte sie mir auch gleich nennen. Ich war ein bisschen frapppiert, dass ich das auf diese Weise erfahre, denn das bedeutet, dass ich eine neue Steuernummer auf meine Rechnungen schreiben und sie meinen Kunden mitteilen muss.

Als nächstes rief ich das Finanzamt Rosenheim an. Nach drei Versuchen (beim ersten Mal klingelte es so lange durch, bis das Besetztzeichen anging, beim zweiten Versuch rief die Mitarbeitern der Telefonzentrale ein paar Mal “Hallo” ins Telefon, hörte mich scheinbar nicht und legte auf) verband mich die Zentrale an meinen zuständigen neuen Finanzamtsführer. Ich war erleichtert, dass er sich als freundlich und zugänglich herausstellte. Allerdings bedauerte auch er, er könne mir leider nicht helfen. Ich sei zwar schon in seinem Computer als Rosenheimer Kunde zu finden, meine Akte auf dem langen Weg von Ebersberg nach Rosenheim (32 Kilometer laut Google-Maps) aber noch nicht eingetroffen. Außerdem sei eine Umsatzsteuer-ID mit der Kleinunternehmerregelung eigentlich generell nicht möglich. Wir plauderten und fachsimpelten ein Weilchen, wie Männer es bisweilen tun, und dann sagte er, er werde einfach probieren, trotz alledem meine umsatzsteuerliche Erfassung ins System zu tippen. Er habe aber keinen Einfluß darauf, was das Bundesamt für Steuern daraus mache, denn da lande seine Eingabe. “Erfahrungsgemäß” höre man nach drei bis vier Wochen davon.

Anschließend habe ich auch Laterpay kontaktiert – auf Facebook. Ich wollte wissen, warum man dort die Umsatzsteuer-ID haben will und die normale Steuernummer nicht genügt. Nach ein paar Minuten kam die Antwort, mit der ich schon gerechnet hatte und die sich aus dem mitgeschickten Link ergibt:

“LaterPay benötigt diese Steuernummer, weil Sie mit LaterPay auch außerhalb Deutschlands Inhalte über das Internet verkaufen können. Damit LaterPay in diesem Fall gültige Belege für Sie und Ihre Kunden erstellen kann, muss Ihre USt-IdNr. auch außerhalb Deutschlands gültig sein.”

Mit anderen Worten: Das finanzamtliche Behördenkonglomerat verpflichtet mich zu etwas, was es mir gleichzeitig – jedenfalls auf normalen Wegen – verweigert. Noch anders: Der Staat behindert mich beim Geldverdienen, obwohl er andererseits gerne meine Steuerzahlungen annimmt und jedes Quartal ungeduldige Briefe schreibt, wenn’s nicht schnell genug geht.

Und all das, weil ich mich doch einfach nur online bei Laterpay registrieren wollte…

2 Kommentare
  1. Reiner Kaltenegger sagte:

    Hallo Christoph,

    ich bin bei meiner Internetrecherche zum Thema “LaterPay und die geforderte Umsatzsteuer-ID” auf Deinen Beitrag gestossen – gibt es denn mittlerweile Bewegung an der Steuerfront…?
    Nach meinen Recherchen ist die Aussage “Deines” Finanzamtes, “Außerdem sei eine Umsatzsteuer-ID mit der Kleinunternehmerregelung eigentlich generell nicht möglich” schlicht falsch. Die Umsatzsteuer-ID ist für EU-Rechnungen zwingend vorgeschrieben – und wird aus diesem Grund von LaterPay gefordert; ich darf aber als Kleinunternehmer nicht vom innergemeinschaftlichen Verkehr ausgeschlossen werden, nur weil ich Kleinunternehmer bin, habe also “Anspruch” auf die Umsatzsteuer-ID. Hast Du mittlerweile eine erhalten? Mir steht diese Aktion noch bevor… ;-)

    Gruß

    Reiner

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