Weil sie sich auf Land und Leute eingelassen haben müssen sich Wachleute der deutschen Botschaft in Teheran jetzt auf ein Verfahren wegen Dienstvergehens einstellen. Das meldet Spiegel Online. Kurioserweise scheint die Spiegel-Redaktion das völlig in Ordnung zu finden und hält den Männern vor, sie hätten sich zumindest naiv verhalten. Mehr noch: Einer der Bundespolizisten habe sogar “ein grünes Bändchen” am Handgelenk getragen, und das auch noch “am Rande einer Demonstration”. Nicht einmal bei der “ersten Befragung in der Botschaft” habe er das “Erkennungszeichen der iranischen Opposition” abgenommen. Na aber auch! Und bei dem, was jetzt kommt, müssen wir wahrscheinlich Skandal schreien: Bundespolizisten hätten Beziehungen zu einer Iranerin gehabt. Beziehung! Womöglich sogar Sex! Au weia!

An diesem Vorgang ist mehreres staunenswert.

1. Es gibt offenbar Bundespolizisten, die mutig genug sind, eine menschliche und sympathische Meinung zu vertreten. Der grüne Band am Handgelenk verdient Lob. Nichts anderes.

2. Diplomatie und Publizistik sind offenbar mit bürokratischen Apparatschiks durchsetzt, die menschliches Verhalten nicht mögen. Wozu gehört: Freundschaften schließen, ab und zu eine ja: Beziehung. Soll ja ab und zu passieren. Seit wann steht darauf Strafe?

3. Dass die iranische Regierung darauf nicht steht, mag schon sein. Aber seit wann zählt die Meinung dieser Islam-Faschisten als Maßstab? Nur vorsichtshalber: Wie kommen Deutsche auf die Schnappsidee, die Beherrschten im Iran würden auf die verklemmte Moral ihrer Ajatollahs stehen? War die letzte Wahl plötzlich doch nicht gefälscht? Hatte ich Halluzinationen, als ich die Demonstrationen auf dem Bildschirm sah?

4. Ich werde nie kapieren, wie Redakteure auf die Idee kommen, im Sinne der Herrscher zu schreiben und nicht im Sinne der Menschen.

Nicht gestaunt, sondern gefreut hätte ich mich, wenn die betreffenden Bundespolizisten als mutige Helden vorgestellt worden wären und die deutsche Botschaft dafür gesorgt hätte, dass ihre iranische Freundin schnellstens aus dem Gefängnis freikommt. Die sitzt und soll angeklagt werden, schreibt Spiegel Online und ist dabei auf eine Weise objektiv, die im Grundsatz manipuliert.

1 Antwort
  1. Kartenlegen sagte:

    Exceedingly educative thank you, I presume your current audience would definitely want a good deal more writing like this carry on the excellent hard work.

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