Schneidig, schneidig, wie der NPD-Landtagsabgeornete David Petereit aus Mecklenburg -Vorpommern heute zum NSU-Prozess in den Gerichtssaal trat. Schwarzes Hemd, schwarze Zimmermannshose mit zwei Reißverschlüssen zum Hosenstall, erstmal um sich blickend, auch nach oben zum Zuschauer- und Presserang. Nachdem der Richter die Formalien erledigt hat, legt er auch schon los:

Ich weiß ja weshalb ich hier bin, es geht ja um diese Grußbotschaft, wie sie bezeichnet wird, an den NSU, aus einer Ausgabe, ich meine im Heft Nummer 18, das ich zu dieser Zeit herausgegeben habe, was ich entgegen irgendwelcher Presseverlautbarungen nie bestritten habe.

„Entgegen irgendwelcher Presseverlautbarungen nie bestritten habe“? Kurz zum Verständnis: Es geht um Heft Nummer 18 eines Neonazi-Fanzines namens „Weißer Wolf“ aus dem Jahr 2002. Darin ist ein „Dank an den NSU“ abgedruckt. Das ist deshalb von Belang, weil angeblich niemand, schon gar keine Behörde, erst recht natürlich kein Geheimdienst, zu dieser Zeit auch nur die geringste Ahnung von einer Gruppe namens „NSU“ oder „Nationalsozialistischer Untergrund“ gehabt haben will. Dummerweise fand sich bei einer Hausdurchsuchung ein Exemplar eines Briefes, in dem sich ein „NSU“ vorstellt. Dieser Brief soll von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an diverse Gesinnungsgenossen verschickt worden sein, auch an Petereit und den „Weißen Wolf“. Ebenfalls aus dieser Zeit – 2002 – stammt ein Geheimdienst-Hinweis, laut dem ein Brief bei Petereit gelandet sei und dass 2500 Euro in Scheinen beigelegen hätten.

Damit wollte Petereit wohl nichts zu tun gehabt haben und bestritt, für die betreffende Ausgabe, eben Heft Nummer 18, verantwortlich gewesen zu sein. Jedenfalls schrieb auch ich das, weil ich derartiges in den Akten las. Und höre dann heute, sie Petereit sagte, er habe das nie bestritten „entgegen irgendwelcher Presseverlautbarungen“.

Dann, bei der Befragung, zückte Nebenklage-Anwältin Seda Basai eine „persönliche Erklärung“ Abgeordneten Petereit hervor, veröffentlicht auf der Homepage der NPD-Fraktion, liest vor und fragt:

Ich habe das Fanzine erst ab er Ausgabe 20 als Verantwortlicher presserechtlich betreut. Ist das Ihre Erklärung?

Petereit wirkt ein bisschen kleinlaut, als er antwortet:

Wohl ja. Ich vermute, dass das damals in der Fraktion so niedergeschrieben wurde und ich das telefonisch so abgesegnet habe.

Na sowas aber auch.

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