So langsam kehrt die Normalität zurück, aber als Mubarak in Ägypten wankte, trug die Angst vor Islamismus zwischenzeitlich hysterische Züge. Westliche Regierungen, auch Israels, schienen zu glauben, der Araber an sich neige zu Mordlust und Fanatismus, quasi genetisch vorbestimmt. Mag sein, dass die sichtbare Selbstausgrenzung von Muslimen in Paris, London, Duisburg, Berlin und anderswo dieses Bild prägt, auch das skandalöse Schweigen muslimischer Verbände in Deutschland zu islamistischem Terror und aktuell zur arabischen Revolution.

Aber anders als hierzulande leben Araber in Arabien nicht in Parallelgesellschaften, sondern sie sind die prägende Mehrheitsgesellschaft. Das mag schrecklich trivial klingen. Umso auffälliger, dass dieser Umstand in der aktuellen Debatte konsequent ignoriert wird. Die Gesellschaften dort sind jung, in Ägypten etwa liegt das Durchschnittsalter der Bevölkerung bei 24 Jahren. Es existiert eine starke Minderheit, die gebildet ist, Zugang zum Internet und zu Informationen hat und die schlicht so leben möchte, wie westliche Menschen in ihren Ländern. Al Kaida und sonstige sinistre Gangstertruppen sind für diese Leute völlig uninteressant. Nehmen wir doch einfach zur Kenntnis, wie verzweifelt Osamas Propagandisten versuchen, die Revolte irgendwie für sich zu nutzen, ohne auch nur die geringste Relevanz zu gewinnen. Nehmen wir doch zur Kenntnis, dass es eher Osamas Freunde sind, die auf der Liste der zu stürzenden Tyrannen stehen, etwa der mit internationalem Haftbefehl gesuchte sudanesische Diktator Omar al Baschir, gegen den ja auch schon die ersten Protestmärsche auf der Straße waren und der gerade erst den ölreichen Süden seines Landes verloren hat.

Es ist die Propaganda der taumelnden Diktatoren, die uns einredet, ohne sie werde der Dschihad ihre Gesellschaften prägen. So, wie es Gaddafi zuletzt in einer seiner wirren Reden behauptete. Tatsächlich richtet sich die Bewegung auch gegen die islamistischen Kriegstreiber. Nicht wir müssen uns fürchten, sondern die Hamas, das iranische Regime und all die anderen, die ohne Abschottung und Gewalt nicht existieren können.

7 Kommentare
  1. Klaus sagte:

    Ich nicht. Der erste Kreuzzug hat stattgefunden, weil muslimische Heere immer wieder christliche Pilger auf dem Weg ins Heilige Land attackiert haben. Die Kreuzritter sind damals ausgezogen, um diesen Pilgern Geleitschutz zu geben.
    Und Kindesmissbrauch findet zu 99 Prozent in Familien statt, nicht in Kirchengemeinden.
    Auch wenn seltsame Vorurteile gegen die Christen oft wiederholt werden, ist ihre Substanz nicht gewachsen.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar zu Jörn Bastian Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.