Die Benzinpreise steigen gerade kräftig. Das nicht nicht zu übersehen. Und der Preisanstieg hat mit der Arabischen Revolution zu tun, das ist evident. Und natürlich fehlt seit einigen Tagen in keinem deutschen Medium der Hinweis auf die “Spekulanten”, die den Preisanstieg zusätzlich anheizten. Das ist freilich plumpe Propaganda, die wieder einmal auf Ressentiments und ökonomische Ignoranz setzt. Nüchtern betrachtet gibt es keinen Grund, sich zu fürchten – im Gegenteil.

Vereinfacht erklären die zahlreichen sogenannten Experten in Medien folgendes: In Libyen drohen Produktionsengpässe, die aber allein noch keine nennenswerte Knappheit auslösen. Sie schüren aber Ängste, demnächst könne in Saudi Arabien ähnliches passieren, und das treffe den Markt dann mit voller Wucht. Diese Analyse ist bis dahin plausibel. Wolkig bleibt freilich wie immer, warum die Preise dann schon jetzt steigen und was Spekulation genau bedeutet.

Die Erklärung dafür: Angesichts einer künftigen Verknappung von Öl legen sich Raffinerien und Händler Reserven zu. Die kaufen sie auf dem Weltmarkt, erhöhen damit die Nachfrage und folglich den Preis. Das ist nicht dumm, sondern vorausschauend. Würden sie das nicht tun, würden die Preise im Falle einer Revolution in Saudi Arabien viel stärker und kräftiger steigen als ohne diese als Spekulation geschmähte Vorratshaltung. Jeder von uns würde sich ähnlich verhalten. Nehmen wir an, es gebe Nachricht, die gesamte Weizenernte eines Jahres sei vernichtet worden und demnächst werde Brot knapp. Wir würden zum nächsten Bäcker laufen und kaufen, was wir bekommen. Außerdem würden wir unseren Verbrauch einschränken. Auf diese Weise könnten wir noch eine Weile Brot beißen (auch, wenn das inzwischen vielleicht etwas trocken geworden sein sollte). Genau das passiert gerade mit dem Öl (das freilich haltbarer ist als Brot).

Nun können aber auch Ölhändler nicht in die Zukunft sehen. Es könnte sein, dass ihre Vorratshaltung die Preise demnächst wieder rasant fallen lassen könnte – dann nämlich, wenn in Saudi Arabien erstmal alles so bleibt, wie es ist, oder aber, wenn neue Machthaber die Ölförderung laufen lassen und den Markt ebenso bedienen, wie es das Königshaus heute tut. Dann nämlich müssten die Händler ihr gelagertes Öl auf einen Markt bringen, der aus laufender Förderung schon gut bedient ist. Das Angebot würde steigen, die Preise somit sinken.

Dass es so kommt, dafür spricht die simpelste aller Annahmen: Auch unter veränderten Machtverhältnissen ist mit dem Verkauf von Öl Geld zu verdienen. Warum sollte ein neues System darauf verzichten? Das wäre schlicht dumm. Und so dumm sind auch die derzeitigen Revolutionäre nicht. Die neuen starken Männer im Osten Libyens haben darum bereits erklärt, sie würden alle Verträge über die Produktion und Lieferung von Öl, die das Gaddafi-Regime mit westlichen Unternehmen geschlossen hat, einhalten.

Tatsächlich lautet die Frage ganz anders: Warum sollte eine demokratische arabische Regierung weniger vertragstreu sein als ein Irrer wie Gaddafi, der Öl stets auch als Waffe eingesetzt hat?

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