Ich kann die Malteser schon verstehen, dieses kleine Volk von 400.000 Einwohnern auf ihrer kleinen felsigen Insel vor der Küste Libyens, die seit Jahren immer wieder lebende oder tote Flüchtliche aus Afrika aus dem Meer fischen und manchmal kaum noch wissen, wo sie sie unterbringen sollen. Mit der arabischen Revolution hat die Flüchtlingswelle aber wenig zu tun. Tatsächlich dürfte der Sturz der Tyrannen dafür sorgen, dass weniger Menschen aus diesen Ländern weggehen als in der Vergangenheit.

Schließlich gibt es keinen Grund, zu fliehen, wenn Verbrecher-Regime erstmal von der Macht vertrieben sind. Bisher flüchten zwei Gruppen von Leuten aus diesen Ländern: Zum einen verfolgte Intellektuelle, Künstler oder Geschäftsleute, die häufig über Geld verfügen und die es vor allem nach London, Paris oder die USA zieht. Und dann, in sehr eingeschränktem Maß, die, die es sich mit sozialen Errungenschaften deutscher Prägung bequem machen und die folgerichtig gern nach Deutschland kommen, weil die Anreize für diese Gruppe hier besonders hoch sind. Letztere Gruppe hat mit der arabischen Revolution nichts zu tun. Sie wird gewiss auch nicht anwachsen, wenn sich die Verhältnisse in ihrem Herkunftsländern verbessern. Erstere Gruppe wird sich dagegen auf den Rückweg in die Heimat machen, die sie ja nicht freiwillig verlassen hat, sondern aus berechtigter Furcht ums Überleben.

Wenn der italienische Außenminister jetzt behauptet, demnächst würde ein Millionenheer an arabischen Flüchtlingen unseren Kontinent überfluten, so spinnt er. Als Beleg hat er nicht mehr vorzuweisen als ein paar Hundert Leute, die gerade auf der vor Tunesien gelegenen Insel Pantelleria angelandet sind. Ein paar Hundert! Das ist wirklich lächerlich. Sofern es überhaupt mit der Revolution zu tun haben, sind es vielleicht Leute, die den Schießereien entkommen wollen, vor allem aus Libyen. Aber wenn die vorüber sind, hat sich dieses Problem von allein erledigt.

Ähnliches gilt auch für die Flüchtlinge aus schwarzafrikanischen Ländern, denen es fast durchweg darum geht, erträgliche Lebensverhältnisse zu gewinnen und die darum eherunter dem Stichwort Wirtschaftsflüchtlinge eingestuft werden. Aber auch auf dem afrikanischen Kontinent wird die Luft für die Tyrannen immer dünner. Und manches Land, das bei uns immer noch mit Krieg und Hunger in Verbindung gebracht wird, hat fast unbemerkt eine ganz andere Entwicklung genommen. Ruanda etwa, sicher keine Musterdemokratie, aber wirtschaftlich erfolgreich, mit starkem Mittelstand, wenig Bürokratie, wenig Korruption und einer wachsenden Wirtschaft. Dort hungert niemand mehr. Von dort flieht auch niemand mehr.

Übrigens kommt der Erfolg von Ländern wie Ruanda nicht von unserer Entwicklungshilfe – im Gegenteil. Regierungschef Paul Kagame hat die Entwicklungshelfer mit ihren sinnlosen Projekten aus dem Land geworfen, weil er begriffen hat, dass sie nichts zur Zukunft beizutragen haben, sondern allein dafür gut sind, einigen zehntausend Entwicklungshelfern und ihren Funktionären das Auskommen zu sichern. Nehmen wir Ägypten: Auf der Liste der deutschen Entwicklungshilfe steht es auf Platz 2. Profitiert hat davon nur das Mubarak-Regime. Jetzt, wo es weg ist, sucht die Bundesregierung verzweifelt nach Argumenten, die Entwicklungshelfer nicht zur Arbeitsagentur schicken zu müssen und schwadroniert über irgendwelche Aufbauhilfen. Warum lassen wir Ägypter nicht einfach selber ihr Land aufbauen?

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