Laut Ayatollah Talebi zeigt dieses Bild ein weibliches Tier

Das Menschenrecht richtet sich nach dem islamischen Recht, das den Menschen zum Tier erklärt, wenn er von Allah abfällt. So klipp und klar beschrieb es der  iranische Ayatollah Mohammed Hosein Talebi vor dem vor wenigen Tagen beendeten Weltkongress für Philosophie in Teheran. Veranstalter: Die Unesco. Einer der Teilnehmer, Reinhard Brandt, berichtet  im Feuilleton der FAZ von empörten Nachfragen im Saal, die von lautem Beifall vor allem der versammelten Studenten begleitet wurden. Talebi habe daraufhin unmissverständlich auf seiner Ansicht beharrt. Ein unveräußerliches Menschenrecht, das unabhängig sei von Einstellungen und Taten, gebe es nicht.

Wundert sich noch jemand? Eher wäre Staunen angebracht, dass diese Ungeheuerlichkeit sich nur auf Seite 31, Spalte 2, Zeile 32 und wohl auch nur in dieser und keiner anderen Zeitung findet. In der öffentlichen Debatte unserer Talkshow-Schwätzer wird dieser Vorfall wohl unerwähnt bleiben. Er hat ja auch etwas Sperriges. Wer ihn hört, hat eigentlich keine andere Wahl, als sich frontal gegen jegliche Scharia-Logik zu stellen. Wer dazu neigte, gewisse Auswüchse als fremde Sitten und Gebräuche zu verharmlosen, denen man ebenso respektvoll zu begegnen habe wie unseren westlichen Werten, könnte ins Nachdenken geraten. Menschen zu Tieren zu erklären klingt ja nunmal sehr faschistisch.

Erst recht beunruhigend ist da, was Wikileaks zum Thema Iran herausgebracht hat. In den US-Diplomatendepeschen ist zu erfahren, dass Nordkorea dem Iran Mittelstreckenraketen geliefert hat, mit denen die Ayatollahs vom Schlage dieses Talebi  jeden Punkt in Europa beschießen können  – also auch Berlin, München, Hamburg, Luxemburg oder Wien. Ebenso ist darin zu lesen, dass nach Ansicht der israelischen Regierung der Zeitpunkt verstrichen ist, bis zu  dem die iranische Uran-Anreicherung für die Produktion von Nuklearwaffen hätte verhindert werden können. Leicht verstört nehmen wir außerdem zur Kenntnis, dass sämtliche arabischen Golfstaaten, vom fortschrittlichen Abu Dhabi bis zum sunnitisch-mittelalterlichen Saudi-Arabien, seit langem die Amerikaner bedrängen, „der Schlange den Kopf abzuschlagen“. Auch nicht schön ist die Information, dass China, das sich im Weltsicherheitsrat immer so konsequent gegen weitere Sanktionen gegen Iran sperrt, den Raketendeal mit Nordkorea eingefädelt haben soll – gegen Öl-Lieferungen.

Dank Wikileaks ist plötzlich auch der Normalbürger in der Lage, ein paar heikle Einblicke in die Welt der Staatsangelegenheiten zu erhalten, vor denen uns die politische Elite zu schützen müssen glaubt. Besser wäre es, die Staaten würden uns nicht so sehr vor Informationen schützen, sondern vor Verbrechern. Es ist ja nicht so, dass wir wehrlos wären. China wäre ohne Europa und Amerika immer noch ein Entwicklungsland. Es ist von uns abhängiger als wir von ihm. Erst recht der Iran.

Zum Fürchten gäbe es eigentlich keinen Anlass – wäre da nicht die Feigheit und Kungelsucht vor allem der europäischen Staaten. Auch dazu sagen die Wikileaks-Depeschen ja einiges aus. Und ganz ohne Wikileaks verstehen wir, dass europäische Politiker noch nicht einmal daran denken, dem Iran eine Aussage wie die über die Menschenrechte um die Ohren zu schlagen, sondern stattdessen daran mitarbeiten, so etwas als Normalität auszugeben. Noch einmal: Ausgesprochen wurde dieser Satz auf einer Konferenz, die in Paris geplant und auch von der Bundesrepublik finanziert wurde. All das ist fast so absurd wie die Aussage des Ayatollah.

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