Angela Merkel steht von zwei Seiten unter Druck – auf der einen Seite von liberal denkenden Menschen (was nicht dasselbe ist wie die FDP), die eine klare Ordnungspolitik verlangen, auf der anderen Seite von den Sozialdemokraten aller Parteien, die mit schwammigen Begriffen wie Gerechtigkeit und Solidarität das Gegenteil wollen. Helmut Kohl, das ist möglicherweise nicht jedem klar, hat Merkel aus der sozialdemokratischen Ecke abgewatscht.

Kohl verlangt, die Bundesregierung solle sich auf Eurobonds einlassen und den Kontinent mit deutschem Steuergeld fluten. Er verlangt damit exakt das, was er schon als aktiver Politiker getrieben hat. Unter Kohl hat sich die Sozialdemokratisierung des Landes dramatisch beschleunigt. Die Steuern stiegen auf Rekordhöhen, die Staatsausgaben ebenfalls, die Staatsschulden ganz besonders. Norbert Blüm mit seinem nach wie vor skandalösen „Die Renten sind sicher“ war kein Ausrutscher. Blüm war ebenso ein typischer Kohl wie der Euro als Währung. Der Euro ist ein wirtschaftliches Projekt, das allein aus politischen Erwägungen durchgesetzt wurde, gegen wirtschaftlichen Sachverstand.

Geradezu infam ist Kohls Vorwurf, wer den Euro nicht um jeden Preis stützt, gefährde das Projekt Europa. Europa ist nicht zuerst der Euro. Europa ist: Keine Grenzkontrollen, keine Zollschranken, keine Kriege, volle Reisefreiheit, volle Handelsfreiheit. Das sind die wichtigen Errungenschaften Europas. Auf den Euro und die EU-Bürokratie in Brüssel kann man gestrost verzichten. Der Normalbürger ist nicht antieuropäisch. Er hat nur etwas dagegen, dass die Regierung machtpolitischen Egoismus als hehre Moral verkauft.

Man sollte aufhören, die Altkanzler als Übermenschen zu vergöttern. Einige Medien heben Kohl auf eine Wolke, auf die andere Medien (etwa die Zeit oder Frau Maischberger) früher schon Helmut Schmidt gesetzt haben. Beide Herren haben das Fundament für die heutige Schuldenkrise gelegt. Das disqualifiziert sie als angeblich weise Ratgeber.

1 Antwort

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.